Berlin : Mitte: Im Humboldthain kann dieses Jahr wohl doch geplanscht werden

Tobias Arbinger

Das vorübergehend stillgelegte Sommerbad Humboldthain in Wedding soll in diesem Sommer doch noch öffnen. Es wird voraussichtlich für eine Saison privat von einem Gastronomen betrieben. "Den Unternehmer, der das macht, haben wir gefunden. Vorbereitungen sind in Gange", sagte gestern der BBB-Vorstandschef Klaus Lipinsky. Geplant sei, dass der Gastronom die Personalkosten übernimmt. Ein Öffnungstermin stehe noch nicht fest, sagte Lipinsky. Er hoffe, dass man es bis zum Beginn der Sommerferien schaffe.

Wegen der prekären Finanzlage hatten die BBB ursprünglich entschieden, das Bad nicht zu öffnen. Ferner wurden in den Sommerbädern die Öffnungszeiten verkürzt, fünf Anlagen werden von Lehrlingen betrieben, drei machten zum Saisonstart erst gar nicht auf - das Humboldthainer Bad, eines in Marzahn und eines in Friedrichshagen. In Wedding hatte es deshalb Proteste von Anwohnern und eine Unterschriftensammlung gegeben. Der Sportstadtrat des Bezirks, Horst Porath (SPD), hatte die BBB aufgefordert, die Entscheidung zurückzunehmen. Das Bad gilt als wichtige Erholungseinrichtung in der sozial problematischen Gegend.

BBB-Vorstandschef Lipinsky hofft, dass weitere öffentlich-private Kooperation wie in Wedding zustande kommen. Anderenfalls "bleibt nichts anderes übrig als Bäder zu schließen, weil sie einfach nicht finanzierbar sind". Mit dem Sparpaket war die Misere deutlich geworden. Ohne die Einschnitte drohte den BBB die Zahlungsunfähigkeit, hatte Lipinskys Vorgänger Ortwin Scholz gesagt. Auch Sportsenator Böger schließe nicht aus, dass Bäder dicht gemacht werden, sagte sein Sprecher Thomas John. Etwa 10 der 83 Frei- und Hallenbäder kämen in Frage, heißt es von Experten. Mit der Haushaltskrise habe sich die Lage zugespitzt.

Entscheidungen stünden aber erst an, wenn dem BBB-Aufsichtsrat das angekündigte Konsolidierungskonzept der Bäderbetriebe vorliege, sagte Bögers Sprecher John. Es soll Zahlen zur Wirtschaftlichkeit eines jeden Bades, zu Einnahmen, Ausgaben und zum Sanierungsbedarf der BBB enthalten. Außerdem werden darin Planspiele zu Schließungen angestellt. Zu berücksichtigen seien Kriterien wie die gleichmäßige Versorgung der Bevölkerung, soziale Brennpunkte in der Stadt und der bauliche Zustand von Bädern, sagte Lipinsky. Über Stilllegungen entscheiden müssten letztlich der Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender Sportsenator Böger ist, und der Senat.

Auch die Senatssportverwaltung sieht einen Ausweg in der Kooperation mit Privaten - wie im Humboldthain. Die rechtliche Voraussetzung dafür schafft das neue Bäderanstaltsgesetz, das im Entwurf vorliegt. Bäderchef Lipinsky führt derzeit auch Verhandlungen über eine öffentlich-private Kooperation in Zehlendorf. Ein Investor möchte auf einem BBB-Grundstück in der Clayallee ein Einkaufszentrum bauen - für einen Erbpachtvertrag sei er bereit, ein neues Bad zu errichten. Die "Grobkonzeption steht", sagte Lipinsky.

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