Moabit : Fünfter Brand im selben Mietshaus

Angst in Moabit: Ein Gebäude in der Huttenstraße wurde zum fünften Mal Ziel einer Brandstiftung. Eine Tote gab es schon, jetzt fliehen die Bewohner.

Jörn Hasselmann
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Der Brandstifter von Moabit hat schon wieder zugeschlagen: Zum fünften Mal in gut zwei Monaten hat es am Samstagabend in einem Altbau in der Huttenstraße 69 gebrannt. Die Feuerwehr hatte die Flammen in der Nacht schnell ersticken können, doch die verbliebenen Mieter haben jetzt die letzten Nerven verloren. Die Angst vor dem unbekannten Feuerteufel hat sie erfasst. „Alle wollen hier nur noch raus“, sagt ein Bewohner im Seitenflügel am Morgen nach dem Brand.

Ein Todesopfer hat es in dem Altbau bereits gegeben. Denn die vierte Brandstiftung am vergangenen Dienstag hatte die Mieterin im Hinterhaus nicht überlebt. Die 56-jährige Irena W. war wenig später ihren schweren Brandwunden erlegen. Es war das schlimmste Feuer der Serie, gelegt auf dem Treppenpodest zum ersten Stock. Die Flammen fraßen sich rasend schnell hinauf bis in den dritten Stock zu Irena W.

Nach diesem Brand hatte die Hausverwaltung einen Wachmann engagiert, der die ganze Zeit im Haus sein soll. Doch der, so berichten Mieter, war in der Nacht zu Sonntag nicht zu sehen. Anwohner Marcus Lehmann, 34, aus dem Seitenflügel sagt, dass der Wachmann erst wieder aufgetaucht sei, als die Feuerwehr schon wieder weg war. Er glaubt: „Der hat wohl gepennt.“ Die Hausverwaltung kündigte an, den Sicherheitsdienst zu verstärken.

Der Brandstifter – oder die Brandstifterin – muss sich am Samstagabend an Lehmanns Tür vorbeigeschlichen haben. Vor der Tür zum Dachboden wurde Papier angezündet, die Flammen griffen auf die Stützen des Treppengeländers über – mehr Schaden wurde nicht angerichtet. An der verrußten Tür warnt ein älteres Blechschild der Feuersozietät:  „Helft Brände verhüten!“ Immerhin, so lobt Mieter Lehmann, sei die Feuerwehr sehr schnell da gewesen.

Die Feuerwehr empfiehlt, die Hauseingangstüren verschlossen zu halten. Doch mehrere Mieter berichten, dass die Tür fast immer offen sei – sie wird selten abgeschlossen. Dabei behauptet die Hausverwaltung, dass „die Schlösser regelmäßig ausgetauscht wurden“. Doch auch am Sonntag kam man ungehindert ins Haus.

Die Kriminalpolizei hatte die Hausverwaltung bereits aufgefordert, die Türen zu sichern und mit neuen Schlössern zu versehen. So soll vor allem der Kreis der Verdächtigen eingegrenzt werden. Denn bislang kann nur spekuliert werden, ob der Feuerteufel in der Huttenstraße 69 selbst wohnt oder nicht. Unter den Mieter schwirren längst Gerüchte umher. So wurde eine Bewohnerin im Hinterhaus verdächtigt, die als „Messie“ bezeichnet wird, doch auch sie hat die Polizei überprüft. Wie alle anderen der etwa 30 Mieter. Eine Spur hat die Polizei bisher nicht.

Die Ermittler des Brandkommissariats staunen über die Kaltblütigkeit des Täters. Vor allem, weil er auch nach dem ersten Todesopfer weitermacht. Und weil er sich auch trotz des Wachschutzes nicht von seinen Taten abschrecken lässt. Der Brandstifter muss seelenruhig durch den Hof und durch das gesamte Treppenhaus gelaufen sein.  Die Tatzeiten variieren zwischen nachmittags und nachts, das erschwert die Observation.

„Wir haben alles getan, was uns geraten worden ist“, sagt der Chef der Hausverwaltung. Die Immobilienfirma hat seit 2007 in das Haus investiert und mehrere Wohnungen saniert. Doch auch die 24-jährige UdK-Studentin Leonie von Löwenthal will jetzt ihre Vorderhauswohnung aufgeben. Nach Angaben der Hausverwaltung ziehen am heutigen Montag vier weitere Parteien aus. Es sei nicht zu erwarten, dass sie ins Haus zurückkehren werden – es sei denn, der Brandstifter wird schnell gefasst. Jörn Hasselmann

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