Berlin : Möbelhändler Achim Türklitz

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Gerade zurück von seiner dritten und wieder siegreichen Regatta über den Atlantik, erzählt der agile Spross aus der Möbeldynastie Türklitz und Hübner mit dem schmalen Kopf eines Seeoffiziers über sein Leben. Sein Büro im 2. Stock des Hauses 1 an der Genthiner Straße strahlt die Gemütlichkeit eines Offizierskasinos aus, seine Sprache verrät seine Berliner Herkunft. Das Kriegsende im Mai 1945 hat er im Keller des Möbelhauses erlebt. Im diesem Haus hat die Familie bis 1949 auch noch gewohnt, ihre schöne Villa in Dahlem war beschlagnahmt worden. Erst danach lebte sie „standesgemäß“ wieder im Grunewald. Vater Arno, mit der einzigen Tochter Hübner verheiratet, widmete sich nach dem Krieg enorm erfolgreich und mit teilweise unorthodoxen Methoden dem Aus- und Aufbau der Berliner Möbelhandelsfirmen. Der Sohn lernte und spielte Trompete. Nach dem Abitur machte er bei der Berliner Discontobank eine Lehre und nebenbei alle möglichen Segelscheine. Es folgte ein Praktikum bei der Bank of America in San Francisco, dann ging es zum Möbelverkaufen lernen erst nach St. Louis und dann zu Möbel Pfister in die Schweiz. Die waren damals die Größten auf der Welt. Statt jahrelang zu studieren, verfeinerte er seine kaufmännischen Kenntnisse durch mehrmonatige Kurse in Harvard. Am Tag, als Kennedy erschossen wurde, kehrte er nach Berlin zurück. Er wurde Geschäftsführer einer Osthandelsfirma und Spedition. Über sie handelte der polyglotte Kaufmann bis zum Fall der Mauer weltweit mit Riesenerfolg mit Möbeln aus der DDR. In diesen Jahren hatte sein Vater mal die Hälfte der Firma an Engländer verkauft, sie aber 1983 wieder zurückerworben und ein riesiges Areal von 28 000 Quadratmeter an der Genthiner Straße erstanden. Dort sind heute auch die Berliner Arbeitsrichter ihre Mieter.

Bis 1993 hatte der Vater mit Sohn Achim noch die Geschäftsführung inne und kam auch jeden Tag ins Büro. „Die Mutter konnte Männer morgens in ihrem Haus nicht vertragen!“

Heute ist Möbel Hübner in Berlin ein beneideter Marktführer im mittleren bis oberen Segment. Die großen Filialbetriebe wie Höffner oder Krieger haben zwar ein Vielfaches an Umsatz – 1 Milliarde gegenüber 50 Mio. € bei Hübner –, aber die Perspektiven für sein Haus und die 280 Mitarbeiter sieht der Chef des Familienunternehmens in der vierten Generation sehr positiv. Nächstes Jahr feiern sie am heutigen Standort den 100. Geburtstag. Der ältere seiner beiden Söhne – ein großer Golfer - wird sein Nachfolger. Der Skipper Achim wird das Ruder noch nicht aus der Hand geben, aber doch mehr Zeit zum Segeln, für die Jagd und für Theater und Konzerte nutzen – zusammen mit seiner zweiten Frau, mit der er nun schon 33 Jahre verheiratet ist. Er will noch Italienisch lernen, seinen kleinen Weinhandel betreiben und die Immobilien verwalten. Allenfalls reffen, aber nicht beidrehen, scheint sein Motto.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel

Achim Türkli tz (66),

ist Bankkaufmann, Ehrensenator der TU und

Geschäftsführender Gesellschafter der Möbel-Hübner Einrichtungshaus GmbH. Privat gilt seine Leidenschaft dem Segeln.

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