Berlin : Mongolischer Staatsbesuch im Hofbräuhaus

Foto: privat
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Immerhin. Wenigstens den Bayern-Hit „In München steht ein Hofbräuhaus“ hat ein Berliner komponiert. Und zwar Wiga Gabriel 1935 in einem Café in Ku’damm-Nähe. So ganz und gar fremd gegangen ist der mongolische Staatspräsident Tsakhia Elbegdorj also doch nicht, als er Sonntagmittag mit seiner 80-köpfigen Delegation während seines Staatsbesuches in Berlin ins Hofbräuhaus an der Karl-Liebknecht- Straße am Alexanderplatz einmarschierte. Zu „Oans, Zwoa, G’suffa“, Haxn und Bier unterm weißblauen Himmel. Die Kellnerinnen im Dirndl übten noch flott, was Prost auf mongolisch heißt: „Eroul Mendien Toloo.“ Dann nahmen die Gäste schon an den langen Tischen und Bänken Platz.

Der Staatschef aus der Hauptstadt Ulan Bator hatte erst am Sonnabend kurzentschlossen einen Getreuen aus der mongolischen Botschaft in Niederschönhausen losgeschickt, um ein typisch deutsches Lokal zu suchen. Vielleicht als Kontrastprogramm zum offiziellen Begrüßungsbankett am Donnerstagabend beim Bundespräsidenten Joachim Gauck im Schloss Bellevue. Und dem „Location-Scout“ gefiel es offenbar im Hofbräuhaus Berlin besonders gut. „Nach einer Hausführung war alles klar“, sagt dessen Chef Björn Schwarz. Die Mongolen hätten verblüffend gut Deutsch gesprochen. Und etliche Maß Bier gestemmt – was sie von zu Hause offenbar gewohnt sind.

Bis Ende der 90er Jahre gab es zwar in ihrem 2,8-MillionenEinwohnerland fast nur Dosenpils. Aber inzwischen hat in der Hauptstadt eine Staatsbrauerei eröffnet. Und ein schwäbischer Brauer betreibt in Ulan Bator Biergärten, in denen er sein Khan-Bräu ausschenkt.

Vier Tage verbrachte Tsakhia Elbegdorj in Berlin und Hamburg. Sonntagabend reiste er ab. Dass sich Staatsgäste in Berlin selbst ein Lokal suchen, kommt aus Sicherheitsgründen kaum vor. Ausnahmen machten Russlands Präsident Putin und der einstige US-Präsident Clinton. Putin zog es 2000 ins Ritter-Lokal an der Zitadelle Spandau, Clinton speiste im elsässischen „Gugelhof“ am Kollwitzplatz. CS

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