Monika Erhardt-Lakomy : Neue Blätter am „Traumzauberbaum“

Das 1980 uraufgeführte Musical "Traumzauberbaum" ist Kult, nun kommt ein neues Programm auf die Bühne. Monika Ehrhardt-Lakomy erinnert sich – und schaut nach vorne.

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Monika Ehrhardt-Lakomy führt fort, was sie mit ihrem 2013 verstorbenen Mann Reinhard Lakomy begonnen hat – sie tourt, veröffentlicht CDs und plant ein Nachlassarchiv.
Monika Ehrhardt-Lakomy führt fort, was sie mit ihrem 2013 verstorbenen Mann Reinhard Lakomy begonnen hat – sie tourt,...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Er ist buchstäblich ein Evergreen: Vor allem in ostdeutschen Haushalten ist es bis heute nicht schwer, eine Schallplatte oder CD mit dem runden grünen Baum auf dem Cover zu finden. Rund vier Millionen Mal wurde das Hörspiel-Lieder-Gemisch "Der Traumzauberbaum" verkauft. Mittlerweile drei Generationen wuchsen und wachsen mit der Geschichte der Waldgeister Moosmutzel und Waldwuffel auf, die mit einer goldenen Stimmgabel Traumblätter zum Klingen bringen.

"Wir haben damals nicht geahnt, dass dies der Grundstein für unsere ganze Karriere sein würde", sagt Monika Ehrhardt-Lakomy heute. Die 69-Jährige ist die Witwe des 2013 verstorbenen Reinhard "Lacky" Lakomy. Er komponierte, sie schrieb die passenden Texte. Das gemeinsame Werk lebt fort: Unter ihrer Leitung ist das "Reinhard Lakomy-Ensemble" regelmäßig unterwegs, um Kinder und Erwachsene mit immer neuen "Traumzauberbaum"-Programmen zu unterhalten. Am Sonnabend gibt es im brandenburgischen Neuenhagen, kurz hinter Berlins Stadtgrenze, eine weitere, bereits ausverkaufte Premiere: "Der Traumzauberbaum und das blaue Ypsilon" erzählt von Moosmutzels und Waldwuffels Suche nach dem verlorenen Buchstaben. Am 18. März macht das Musical Station im Konzertsaal der Universität der Künste in der Hardenbergstraße.

Über 80 Auftritte hat die 69-Jährige im Jahr

Monika Ehrhardt-Lakomy ist stolz darauf, dass die "Traumzauberbaum"-Saga noch so gut ankommt. "Ich schreibe die Texte immer für Kinder und für Erwachsene – ich finde es furchtbar, wenn sich einer langweilen muss." Ihr selbst kann das nicht passieren: Die 69-Jährige schafft mit ihrem Ensemble rund 80 Aufführungen im Jahr, schreibt Theaterstücke und Kurzgeschichten, hat gerade erst die gemeinnützige Traumzauberbaum GmbH und den Lacky-Musikverlag gegründet, in ihrer Freizeit macht sie Kickboxen – "um in Form zu bleiben".

Mit viel Kraft und Leidenschaft verwaltet sie auch den Nachlass ihres Mannes. Was beim Betreten ihres Hauses im Pankower Ortsteil Blankenburg gleich ins Auge fällt, ist ein großes Porträtfoto ihres verstorbenen Mannes über dem Kamin, direkt darunter steht eine kugelige Holzfigur des Komponisten. Nur zwei Türen weiter befindet sich das alte Tonstudio, in dem viel Spielzeug auf dem Boden liegt. "Es war Lackys Wunsch, dass hieraus ein Kindergarten wird." Seit 2014 werden zehn Kinder in der "Reinhard Lakomy-Kita" betreut. Eine der Erzieherinnen ist Olivia Winter, die bei Liveaufführungen des "Traumzauberbaums" Moosmutzel spielt – sie wohnt auch im Obergeschoss.

Abschied von Reinhard Lakomy
Die Witwe und die Tochter: Monika Ehrhardt-Lakomy und Clara Johanna bei der Beerdigung auf dem kleinen Friedhof im Pankower Ortsteil Blankenburg.Alle Bilder anzeigen
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03.04.2013 19:04Die Witwe und die Tochter: Monika Ehrhardt-Lakomy und Clara Johanna bei der Beerdigung auf dem kleinen Friedhof im Pankower...

Das Haus ist groß, doch als die junge Balletttänzerin Monika Ehrhardt ihren späteren Mann kennenlernte, sei es nur "eine Gartenlaube" gewesen. Trotzdem gab sie ihre große Wohnung auf und zog zu ihm. Zu jener Zeit hatte Reinhard Lakomy 50 000 Ostmark Schulden, weil er sich ständig neue Instrumente kaufte. "Ich dachte, ich müsste bis an mein Lebensende tanzen, um das wieder reinzukriegen", erzählt sie und bezeichnet sich selbst als "Klassik-Zicke", die sich zunächst gar nicht für Popmusik interessiert habe – bis zu dem Tag, als sie "Heute bin ich allein" im Radio hörte, Lakomys ersten großen Hit. "Ich war wie vom Donner gerührt, erinnert sie sich, "das war kein Schlager, da sang einer mit der Seele." Lakomy spielte Jazz, komponierte Popsongs, elektronische Musik, Film- und Ballett-Musik. Texte aber schrieb er nie. Schon bevor er Monika Ehrhardt 1977 heiratete, hatte er den Plan, Lieder für kleine Hörer zu machen. "Als ich erwähnte, dass ich Kinderliedtexte schreibe und sie ihm gezeigt habe, war er ganz aufgeregt, nahm mir die Blätter aus der Hand und verschwand." Kurze Zeit später kam er wieder – mit einem Vertrag der DDR-Plattenfirma Amiga. "Auf einmal hatten wir 13 000 Ostmark – eine unglaubliche Summe."

Alles fing an mit "Geschichtenlieder mit Paule Platsch, dem Regentropfen"

Das erste Werk aus dem Hause Lakomy-Ehrhardt hieß "Geschichtenlieder mit Paule Platsch, dem Regentropfen", der Durchbruch kam 1980 mit dem "Traumzauberbaum". Der wachsende Erfolg ließ auch das Blankenburger Haus wachsen – und die Hausherrin packte ordentlich mit an. "Die Ecken da oben habe ich selber gemacht", sagt Ehrhardt-Lakomy und zeigt auf das Dach. Die einstige Ballerina hatte in der DDR auch eine Maurerlehre absolviert.

Nach dem "Traumzauberbaum" folgten viele weitere Alben für Kinder, über 300 Lieder hat das Duo zusammen geschrieben. Erfolgreich waren sie immer, nur kurz nach der Wende gab es einen kleinen Popularitätsknick. 2013 dann wurde bei Reinhard Lakomy Lungenkrebs diagnostiziert, eine Chemotherapie lehnte er jedoch ab. Noch eine Woche vor seinem Tod habe er komponiert und die Umwandlung seines Studios zur Kita geplant, erzählt seine Witwe. Auch die Liveaufführungen sollten weitergehen. "Du machst das schon, Schnuppelchen", hat er da zu ihr gesagt. "Und ich hab ihm versprochen: Ich mach’s."

Ans Aufhören denkt Monika Erhardt-Lakomy noch lange nicht

Und Monika Ehrhardt-Lakomy strotzt vor Selbstbewusstsein und Tatendrang: Dieses Jahr hat sie "Die Sonne" veröffentlicht, die letzte gemeinsame CD des Künstlerehepaars, alle Kompositionen stammen noch von Lakomy. Derzeit wandelt sie einen Teil des ehemaligen Tonstudios in ein öffentliches Archiv um, in dem Lakomys sämtliche Werke und Noten für Musikstudenten zugänglich sein sollen.

Und noch etwas Großes ist in Planung: "Der Traumzauberbaum" soll 2018 als Animationsfilm ins Kino kommen. Das Drehbuch ist bereits geschrieben, Produktionsfirma ist die Schiwago Film GmbH aus Berlin, die 2012 den Indie-Erfolgsstreifen "Oh Boy" auf die Leinwand brachte. "Ein Rentnerdasein zu führen, fände ich schrecklich", sagt Monika Ehrhardt-Lakomy. "Aber ich glaube, Künstler sind niemals Rentner."

Aufführung am 18. März um 15 Uhr im UdK-Konzertsaal, Tickets ab 20,70 Euro unter www.eventim.de.

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