Berlin : Monsters of Motörheads

Zufriedene und gemütliche Fans besuchten am Dienstag das Konzert in der Columbiahalle

Sven Schade

Hunde, die bellen, beißen bekanntlich nicht. Und ähnlich verhält es sich mit Heavy-Metal-Fans. Die bellen und grölen zwar gelegentlich und dann auch sehr beachtlich (Urschrei!). Doch sind im übertragenen Sinne des Sprichworts die schweren Jungs mit schwarzem Leder und blitzeblanken Nieten oftmals die netten Kerle, von denen viele Gemütlichkeit lernen könnten.

„Ich will aber verdammt noch mal so richtig böse sein!“, meckert Roland (24) und fuchtelt verzweifelt mit den Fäusten in der Luft. Der Barkeeper aus Prenzlauer Berg wartet zusammen mit Kumpel Stefan (28) in der Schlange vor der Columbiahalle. Gute Stimmung, spaßig. Beide stellen erstmal klar, dass Motörhead kein Heavy ist, sondern „gesunder und ganz normaler“ Rock’n’Roll.

Stefan schildert nicht nur die musikalischen Vorzüge von Lemmy: „Ey, der Typ ist 58. Der is’ so alt wie mein Vater.“ Die Eltern allerdings gehen nicht aufs Motörhead-Konzert, was aber „prinzipiell nüscht mit dem Alter“ zu tun hat: „Ich bin Beamter im gehobenen Dienst, Systemadministrator auf dem Sozialamt in Schöneberg. Seit ich dort arbeite, hört mein Chef auch Heavy.“ Da korrigiert sich Stefan gleich von wegen Schnittstelle zwischen Rock’n’Roll und Metal, sagt „der hört alles so was, eben“ und zeigt auf die vielen Sticker mit Bandnamen seiner Jeansjacke.

Bernd (50) und Eik (41) sind aus Schwerin gekommen. Die beiden Männer – Elektriker und Brunnenbauer – hören Motörhead seit Anbeginn. Sie gehören zu der Sorte Mensch, die auch in hektischen Zeiten ihr Bier in ruhigen Zügen trinkt. Beide tragen die Haare zwar etwas länger, aber keine Totenkopf-Tattoos. Den Quatsch mit Nietenjacken machen sie nicht mit. „Find’ ich, also jetzt ich persönlich, zu schwuchtelig“, meint Bernd aber es sei „voll okay“, wenn es andere mögen.

Dennoch spielt das Aussehen keine geringe Rolle. Vorzugsweise dunkle, am besten schwarze Klamotten. Jeans gehen immer. Mit Bart und langen Haaren ist man auf der sicheren Seite. So auch Ronny, der – relativ ungewöhnlich fürs abendliche Publikum – mit zwei schönen Frauen da ist. Freundin und Schwester begleiten ihn. „Mein Bruder hört Motörhead, seit er 14 ist. Mich hat er gut erzogen. Ich hör mit“, sagt die eine Schönheit. Familien-Mucke sozusagen. Die läuft bei Ronny zu Hause überall. Sogar auf dem Klo. Da hat er extra Boxen hin verkabelt.

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