Mord in Neukölln : Türkische Medien: Zwischen Zurückhaltung und Spekulation

Einige Medien denken über einen möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund nach, andere verweisen auf potentielle persönliche Gründe. Insgesamt wird das Thema in den türkischen Medien bisher ruhig behandelt.

von und Atila Altun
Die Hintergründe der Tat in Neukölln sind weiter unklar.
Die Hintergründe der Tat in Neukölln sind weiter unklar.Foto: dpa

IstanbulManche türkische Medien bringen den noch ungeklärten Mord von Neukölln mit der Serie rechtsextremer Morde der Zwickauer Terrorzelle in Verbindung. Genau wie in den Jahren der ergebnislosen Ermittlungen bei den so genannten Döner-Morden wolle die deutsche Polizei auch diesmal nicht von einem rechtsextremen Hintergrund der Tat sprechen, kommentierte die Zeitung „Star“.

In der Tageszeitung Hürriyet heißt es: „Das Motiv ist weiterhin nicht bekannt. Während die Staatsanwaltschaft die Untersuchungen in alle Richtungen fortsetzt, werden aufgrund der Mordserie der terroristischen Vereinigung NSU (Nationalsozialistischer Untergrund), die Ermittlungen besonders sensibel betrachtet. Die Berliner Staatsanwaltschaft wird auch in diese Richtung aufmerksam ermitteln.“

In der Zeitung Sabah werden Einzelheiten der Tatnacht beschrieben:„Ein Augenzeuge berichtet: Aus dem Kreis der Jugendlichen schien eine fröhliche Stimmung auszugehen, als hätten sie einen bestimmten Anlass zu feiern. Wenig später war es still und ich habe dann Schüsse gehört.“

Auch der Vater des Opfers wird zitiert: „Der Vater des aus Samsun stammenden türkischen Jugendlichen, Ahmet B., sagte, dass sein Sohn  gerade eine Ausbildung bei einem Autohändler begonnen und am Tag des Vorfalls gegen 22 Uhr mit einem Firmenwagen die Wohnung verlassen hatte.“

Bilder vom Tatort:

Tödliche Schüsse in Neukölln
Auch mehr als sechs Wochen nach der Bluttat in Neukölln erinnern Plakate in der Rudower Straße an den getöteten Burak B., 22.Weitere Bilder anzeigen
1 von 34Foto: Isabelle Buckow
22.05.2012 11:49Auch mehr als sechs Wochen nach der Bluttat in Neukölln erinnern Plakate in der Rudower Straße an den getöteten Burak B., 22.

Zu den Ermittlungen heißt es: „Einer der beteiligten Freunde des Opfers, Ömer, welcher bei diesem Angriff unverletzt entkam, und sein Freund Sertuc, haben der Polizei eine Täterbeschreibung geben können. Der Täter kam bis auf ein, zwei Meter an die Gruppe heran und eröffnete das Feuer. Die Berliner Polizei hat eine Sondereinheit gegründet.“

Andere Blätter wiesen ihre Leser daraufhin, dass der Mord in einem „türkischen Viertel“ der deutschen Hauptstadt verübt wurde.

Insgesamt wird das Thema in den türkischen bisher aber nicht als eines der wichtigsten aktuellen Ereignisse behandelt. Die Möglichkeit eines fremdenfeindlichen oder rechtsterroristischen Hintergrunds der Tat wird in den meisten Berichten erwähnt, aber nicht weiter bewertet: Die deutsche Polizei ermittele auch in der Richtung eines politischen Motivs, heißt es in den meisten Meldungen.

Mehrere Medien zitierten zudem Freunde des Opfers mit der Aussage, möglicherweise sei der Auslöser für das Verbrechen nicht im politischen Bereich zu suchen, sondern im Privaten: Der Getötete habe sich kurz vor dem Mord von einer ebenfalls türkischstämmigen Freundin getrennt; die Trennung sei im Streit vollzogen worden. Für eine persönliche Abrechnung spricht demnach auch, dass der Täter das 22-jährige Opfer mit einem gezielten Kopfschuss tötete und erst dann das Feuer auf die Umstehenden eröffnete. 

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