Berlin : Mordversuch mit Fön im Badewasser

37-Jähriger schweigt im Prozess um Anschlag auf Ehefrau

Kerstin Gehrke

Er saß jeden Abend vor dem Computer und verfolgte die Aktienkurse, sie las etwas. Oder nahm bei Kerzenschein ein Entspannungsbad. Sie redeten kaum miteinander, sie stritten nicht. Auch am 8. April letzten Jahres war es still in der Friedenauer Wohnung des Paares. „Ich lag mit geschlossenen Augen in der Badewanne“, sagte die 33-jährige Gabriele K. gestern vor dem Berliner Landgericht. „Plötzlich hörte ich etwas platschen.“ Sie sah den Fön, das eingesteckte Kabel und ihren Mann. Der Schutzschalter verhinderte einen tödlichen Stromschlag. Seit gestern muss sich der 37-jährige Thorsten K. wegen Mordversuchs verantworten.

Im Ermittlungsverfahren soll der Angeklagte den Anschlag gestanden haben. Vor Gericht aber schwieg der schlanke Mann mit der großen Brille. Er hatte vor sieben Jahren mit einem großen Blumenstrauß um die Hand der blonden Dekorateurin angehalten. Da war sie schwanger. Damals war er noch als Beschwerdemanager bei einem Großunternehmen der Elektronik-Branche in München angestellt. Doch als seine Abteilung geschlossen wurde, blieb er ab 1998 ganz zu Hause. Er konnte es sich leisten – mit Aktien hatte er ein stattliches Vermögen in Höhe von rund 400000 Euro gemacht. „Mein Mann wollte ein Jahr durch Europa reisen“, sagte die Frau. Das Paar löste seine Wohnung auf und fuhr nach Italien. Nach einem Monat in einem engen Wohnmobil erklärte er: „Ich kann nicht mehr.“

Gabriele K. weiß heute: „Wir hätten uns damals trennen sollen.“ Sie wusste, dass er immer von einem Leben auf dem Lande in Schweden geträumt hatte. Doch da war die gemeinsame Tochter und ihre Liebe zu ihm. Sie zogen nach Berlin. Warum es an jenem Abend zu dem Anschlag kam, kann sich die jetzt in Scheidung lebende Frau nicht erklären. „Ich dachte zuerst, der Fön ist da nur reingefallen“, sagte sie den Richtern. „Ich wollte es einfach nicht wahr haben, dass es um Leben und Tod ging.“

Er sei nach der Sache mit dem Fön wortlos ins Arbeitszimmer gegangen. Ohne mit der Wimper zu zucken soll der ruhige Mann, der es immer allen recht machen wollte, erklärt haben: „Ich habe extra einen Fön mit einem langen Kabel gekauft, um dich umzubringen. Ich kann nicht mehr, ich liebe dich nicht mehr.“ Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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