Moscheenbau : "Politically Incorrect" manipuliert Tagesspiegel-Umfrage

Der Bau der Inssan-Moschee in Charlottenburg schlägt neue Wellen: Das islamophobe Blog "Politically Incorrect" entdeckte am Mittwoch die Umfrage zum Thema auf tagesspiegel.de. Ein Sturm brach los.

Nadine Lantzsch

BerlinDas Blog "PI - Politically Incorrect" ist im Internet keine Unbekannte mehr und kann täglich mehrere tausend Besucher verzeichnen. Die Betreiber der Seite "kämpfen" mit ihrer sehr subjektiv gefärbten und wahrheitsverzerrenden Berichterstattung gegen die "schleichende Islamisierung Europas", gegen "Gutmenschentum", "Manipulation in den Medien" zugusten der islamischen Bevölkerung und geben sich betont "pro-amerikanisch" und "pro-israelisch".

Der schwule Grünen-Politiker Volker Beck wurde bereits mehrfach denunziert und täglich finden sich neue - milde ausgedrückt - beleidigende Artikel über politische Vorgänge im Nahen Osten und die islamische Bevölkerung. Von einer reinen Polarisierung und einem gut gemeinten Anstoß zugunsten einer kritischen Auseinandersetzung kann man schon längst nicht mehr sprechen.

Nun hat es auch tagesspiegel.de getroffen. Die Redaktion veröffentlichte am 19. April eine Umfrage zum Moscheenbau des nicht unumstrittenen Vereins Inssan in Charlottenburg. Wir fragten unsere Leser, ob sie mit einem Bau der Moschee einverstanden wären oder nicht. Nach vier Tagen und rund 11.000 Stimmabgaben lag das Ergebnis bei etwa 54 Prozent für "Ja" und 46 Prozent für "Nein". Am 23. April entdeckte "Politically Incorrect" die Umfrage auf unserer Seite und bildete in einem Eintrag einen Screenshot dieses Ergebnisses und einen kurzen Kommentar ihrerseits ab. Die Umfrage wurde ebenfalls verlinkt.

Sofort fühlten sich die Leser des Blogs veranlasst, sich an der Umfrage zu beteiligen und natürlich mit "Nein" zu voten. Leider haben wir es bei der Veröffentlichung der Umfrage das Zeitfenster für die Stimmabgabe nicht eng genug eingestellt, so dass man mit einem einfachen Neuladen der Seite bereits wieder abstimmen konnte. Binnen kurzer Zeit konnten so fast 10.000 neue Stimmen für "Nein" abgeben werden. Der Großteil der Votings kam von "Politically Incorrect", denn in den Kommentaren unter dem dortigen Eintrag riefen die Leser auf, die Umfrage zu manipulieren.

Das Umfrageergebnis ist mittlerweile verfälscht. Dafür möchten wir uns bei unseren Lesern entschuldigen. Wir haben das Zeitfenster jetzt korrigiert, so dass eine weitere Manipulation nur noch schwer möglich ist. Trotzdem kann eine Online-Umfrage nie repräsentativ sein, sie ist lediglich ein Stimmungsbild. Das sah auch Kollege Jörg Sadrozinski, Redaktionsleiter von "tagesschau.de" so, als eine Umfrage zum Tibetkonflikt nach einem Internetaufruf bewusst manipuliert wurde. Wir berichteten darüber.

Wir bedanken uns bei unseren Lesern für die zahlreichen Hinweise, durch die wir auf die Manipulation unserer Umfrage aufmerksam wurden und hoffen, dass so etwas nicht noch einmal passiert.

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