Berlin : Moskau liegt in Mitte

Früher war die Fischerinsel mit ihren kleinen Häusern beschaulich. Aber die Gegend hat auch heute ihren Reiz. Zum Beispiel für die Filmemacher von „The Bourne Supremacy“. Die Hochhäuser dienten als Kulisse

Matthias Oloew

Es ist ein kalter Wintermorgen. In der Nacht hat es ein bisschen geschneit am Spittelmarkt. Brücken und Laternen sehen wie überzuckert aus. Und die Polizisten mit ihren voluminösen Pelzkappen stehen neben ihren Streifenwagen und rauchen oder reiben sich die Hände.

Natürlich ist ihnen nicht wirklich kalt. Am Spittelmarkt, wie überhaupt auf der Fischerinsel in Mitte, ist es am Sonntag genauso kalt (oder warm, je nachdem, wie man es nimmt) wie anderswo in der Stadt. Der Schnee, den die Filmleute über die Straßen und Gehwege haben pusten lassen, ist nicht echt, genauso wenig wie die Polizisten und ihre Streifenwagen. Alles ist ein Machwerk der so genannten Traumfabrik. Hollywood lässt auf der Gertraudenstraße und rund um die Fischerinsel Szenen drehen für den Agententhriller „The Bourne Supremacy“. Damit es so aussieht wie in Moskau im Winter, haben die Ausstatter den Schnee verpulvert und das Bahnhofsschild der U-Bahn-Station Spittelmarkt zugeklebt. Jetzt prangen kyrillische Buchstaben und ein rotes M darauf – damit es aussieht, als sei dies eine Metro-Station der russischen Hauptstadt.

Anders als der Reporter haben die meisten Nachbarn dieser Gegend vermutlich keine Schwierigkeiten, die Aufschrift zu lesen. Denn in den Wohntürmen auf der Fischerinsel leben viele mittlerweile pensionierte Angehörige des DDR-Staatsapparates. Hier hat die PDS ihre treuesten Wähler in Berlin. Also eine perfekte Kulisse.

„The Bourne Supremacy“ (Supremacy heißt so viel wie Vorherrschaft) ist die Fortsetzung des Kino-Erfolgs „Die Bourne Identität“. Wieder spielt Matt Damon die Titelrolle, und Franka Potente ist auch mit dabei. Von beiden ist am Rand der Dreharbeiten am Sonntag jedoch nichts zu sehen. Schließlich ist die Gertraudenstraße weiträumig abgesperrt und die Sequenz, die gerade gefilmt wird, spielt mitten auf der Straße. Die Kameraleute von Studio Babelsberg haben ihr technisches Gerät auf die Kühlerhaube eines dunklen Audi montiert. Es wird also so etwas wie eine Autofahrt oder eine Verfolgungsjagd. Mit Auskünften sind die Damen und Herren sehr zurückhaltend. Das war im Sommer anders, als am Gendarmenmarkt eine andere Hollywood-Produktion vom Studio Babelsberg gedreht wurde – „In 80 Tagen um die Welt“.

Matt Damon wird noch einige Tage in der Stadt bleiben. Genauso wie sein Kollege Kevin Spacey. Der dreht derzeit ebenfalls in Babelsberg den Film „Beyond the Sea“.

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