Berlin : Motorräder aus Spandau bleiben ein Renner

Berlins Wirtschaft kann auch brummen: BMW meldet erneut Rekordumsatz und Politiker genießen den Rummel bei der Vorstellung eines neuen Modells

Rainer W. During

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns bekam glänzende Augen, als er vor dem gelb-schwarzen Schmuckstück stand. Zusammen mit dem Berliner Staatssekretär Volkmar Strauch gab er gestern im Spandauer BMW-Motorradwerk den Startschuss für die neue F 800-Modellreihe. Für Werksleiter Dieter Schliek ein weiterer Meilenstein in der Erfolgsgeschichte des Standortes, in den innerhalb von drei Jahren rund 100 Millionen Euro investiert wurden.

Bis zu 540 Motorräder werden täglich von den 2200 Mitarbeitern an der Straße Am Juliusturm produziert. Rund 92 000 waren es im vergangenen Jahr, dazu kamen 5,3 Millionen Bremsscheiben für die Automobilsparte des Konzerns. Mit 97 474 verkauften Motorrädern und 1,223 Milliarden Euro Umsatz verzeichnete BMW Motorrad im vergangenen Jahr Rekordwerte. Deutschland ist der größte Absatzmarkt, gefolgt von den USA und Italien. Insgesamt gehen die Maschinen aus Spandau in rund 130 Länder der Welt. Auch Verkehrspolizisten in Ägypten und Vietnam sind damit unterwegs.

Die neuen Mittelklassemodelle F 800 S und F 800 ST runden jetzt die Erneuerung der Produktpalette ab. „Das ist die Sportvariante, die wird auf dem Lausitzring gefahren“, belehrte der Minister die Fotografen, für die er schon einmal Probesitzen durfte. Davor hatte er schon die Zündung des blauen Schwestermodells betätigt, die auf dem sogenannten C-Haken aus der 3,8 Kilometer langen Fertigungsstraße gerollt war. 35 Mitarbeiter pro Schicht montieren hier die vorgefertigten Teile. Bis hin zur letzten Schraube besteht ein Motorrad aus 8000 bis 10 000 Einzelteilen.

Die Mitarbeiter haben den Serienstart bereits am Mittwoch gefeiert. In der Anlaufphase werden täglich zehn Maschinen der neuen Reihe montiert. Bis zur Erstpräsentation bei den Händlern am 13. Mai wird die Produktion auf täglich 80 Exemplare der ab 8450 Euro erhältlichen F 800 gesteigert. Dafür wird an der Montagestraße eine zweite Schicht gebildet.

Neue Jobs sind nicht entstanden, doch die neue Modellreihe sei „ein weiterer Baustein zur Beschäftigungssicherung“, sagte Werksleiter Schliek. Er würdigte die Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Mit einem stringenten Kostenmanagement und einem Höchstmaß an Flexibilität beispielsweise bei der Arbeitszeitgestaltung sei es gelungen, Standortnachteile wie ungünstige Wechselkurse und hohe Lohnkosten auszugleichen.

Kein Wunder, dass die Politiker voll des Lobes waren. Volkmar Strauch würdigte die hohe Produktivität, Flexibilität, Innovation und Motivation. BMW sei ein „Benchmarkunternehmen für die Region“. Ulrich Junghanns sprach von einem beispielgebenden „Stück richtig guter Industrieproduktion“.

Minister und Staatssekretär hatten zuvor an der Jahresauftaktveranstaltung von Automotive Berlin-Brandenburg teilgenommen, einem Netzwerk für Zulieferbetriebe und Forschungseinrichtungen. Die Branche, zu der auch die Motorradproduktion zählt, habe sich zu einem starken Wachstumsbereich in der Hauptstadtregion entwickelt, wo sich namhafte große und innovative mittelständische Unternehmen ergänzten, so Junghanns.

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