Mühe mit brauner Brühe : Eisengehalt in Spreewasser sinkt nur langsam

Die Rettung der Spree ist schwieriger als erwartet. Und aus Sachsen strömt weiter eisenbelastetes Wasser.

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Das Wasser im Spreewald wird wohl auch noch für einige Zeit braun bleiben.
Das Wasser im Spreewald wird wohl auch noch für einige Zeit braun bleiben.Foto: dpa

Die Hilfe für die braune Spree geht voran, aber nicht schnell genug. Die Gefahr für den Spreewald, im Kern intakt, an den Rändern verschmutzt, ist nicht gebannt. Das ist das Fazit einer Informationsveranstaltung des Aktionsbündnisses „Klare Spree“ am Dienstagabend in Vetschau. Dort hatten sich die Verantwortlichen aller beteiligten Behörden und des Bergbausanierers LMBV den Fragen von etwa 300 Anwohnern gestellt.

Kampf gegen braunes Wasser in der Spree

Anlass war die Belastung der Spree mit eisenhaltigem Wasser, das aus bereits geschlossenen Braunkohletagebauen in Sachsen und Brandenburg stammt. Die Eisenverbindungen trüben das Wasser und setzen sich als Folge der sogenannten Verockerung als Schlamm am Flussgrund und an den Ufern ab. Im Februar 2013 war das Neun-Millionen-Programm gestartet, mit dem Spreewald-Zuflüsse gesäubert werden, etwa in der reaktivierten Grubenwasserreinigungsanlage Vetschau. „Es gibt kein Projekt in Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt, das so schnell angeschoben wurde wie dieses“, sagte Klaus Freytag, Präsident des Landesbergamtes. Trotzdem sind die Effekte geringer als erhofft. Eine Halbierung der Eisenfracht, die die LMBV für 2013 in Aussicht gestellt hatte, ist in weiter Ferne.

Braune Spree
Das Luftbild vom August 2009 zeigt die von Eisen verfärbte Spree zwischen dem brandenburgischen Spremberg und Weisskeissel in Sachsen. Steigende Grundwasserspiegel in der Lausitzer Tagebaufolgelandschaft führen zu einer Freisetzung von Eisen und Sulfaten und damit einer Färbung der Spree.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Michael Urban/ddp
11.02.2013 17:52Das Luftbild vom August 2009 zeigt die von Eisen verfärbte Spree zwischen dem brandenburgischen Spremberg und Weisskeissel in...

Eisenbelastung stammt großteils aus Sachsen

Ein Hauptproblem ist, dass auf sächsischer Seite bislang nichts passiert, obwohl von dort die größten Eisenmengen mit der Spree kommen. Das Eisen wird von der Talsperre Spremberg weitgehend abgefangen, der letzten Bastion vor dem Spreewald. Aktuell ist der Stausee mit einer braunen Schicht bedeckt, „so doll wie ich es selten gesehen habe“, sagte Matthias Freude, der Präsident des Landesumweltamtes. Er musste einen Rückschlag verkünden: Der Plan, die Eisenfracht bereits in einem Vorbecken der Talsperre abzufangen, um diese selbst – ein beliebtes Erholungsziel – nicht weiter zu verunreinigen, hat sich nach einer neuen Studie zerschlagen. Nun prüfe man, ob man südlich neue Überflutungsflächen für die Spree finde, wo sich Eisenschlamm absetzen könnte. Vor Monaten hatte Freude versichert, dass Spremberg nicht lange Flusskläranlage bleiben soll. Das wiederholte er nicht. Die Talsperre habe immer viele Funktionen gehabt, neben dem Hochwasserschutz, nun komme noch eine dazu, sagte er jetzt. „Das macht die Bewirtschaftung nicht leichter.“

Wie kann das Eisen in der Spree entsorgt werden?

Ungeklärt ist auch, wie der ausgebaggerte Eisenschlamm entsorgt wird. Ein Abkippen in Tagebauseen wird abgelehnt, aus Sorge vor Spätfolgen. So ist man auch im Spreewald alarmiert, dass es im Jahrzehnte intakten Senftenberger See ein Fisch- und Artensterben gab. „Wir haben dafür keine Erklärung“, sagte Freude. Außerdem fordert das Aktionsbündnis wegen Rostflut mehr Personal für das unterbesetzte Landesumweltamt. Freude sagte dazu, die Behörde habe heute 40 Prozent weniger Personal als früher, aber mehr Aufgaben. „Man muss sich selbst helfen“, sagte Behörden-Chef Freude. „Wir machen das so, wie wir es zu Ostzeiten gehalten haben: Wir improvisieren.“

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