Berlin : Müllaufarbeitung: Neue Entsorgungswege für 650 000 Tonnen Abfall gesucht

gih

Vom 1. Juni 2005 an dürfen herkömmliche Müllkippen nicht mehr mit unbehandeltem Hausmüll beschickt werden. Berlin wird dann einen neuen Entsorgungsweg für etwa 650 000 Tonnen pro Jahr (davon 250 000 Tonnen Sperrmüll und Abfälle aus Gewerbebetrieben) vorweisen müssen. So viel bleibt nämlich übrig, wenn man die Kapazität der Ruhlebener Verbrennungsanlage (etwa 500 000 Tonnen pro Jahr) von der Gesamtmenge abzieht. Das Recyclingunternehmen Alba legte gestern ein Konzept vor, wie der Müll beseitigt werden kann.

Vier Anlagen sollen errichtet werden, in denen der Müll auch getrocknet und zu Sekundärbrennstoff aufgearbeitet wird. Dieser kann dann im Zementwerk Rüdersdorf und in Braunkohlekraftwerken verfeuert sowie in den Reaktoren des Sekundärrohstoffzentrums Schwarze Pumpe zu Methanol umgewandelt werden. Versuche damit seien bereits erfolgreich gelaufen, hieß es.

Dem Konzept zufolge muss Ruhleben dann aber 120 000 Tonnen mehr verarbeiten, denn selbst wenn man Wasser, Metalle und Brennbares aus dem Müll herausholt, bleiben Stoffe, die nicht verwertet werden können. Ob das politisch umzusetzen ist, bleibt abzuwarten, das Senatskonzept steht noch aus. Preislich laufen alle geprüften Varianten auf etwa 210 Mark pro Tonne hinaus.

Wie auch immer - eine Entscheidung muss schnell getroffen werden, denn es sind nur noch gut vier Jahre übrig - für Genehmigungsverfahren und den Anlagenbau ohnehin eine knappe Zeit. Ist die Frist erst einmal verstrichen, stehen auch andere Länder, die die vergangenen zehn Jahre - wie Berlin - vertan haben, bei den Betreibern von thermischen Anlagen Schlange. Denn die "mechanisch-biologische Behandlung" ist aus verschiedenen Gründen - auch finanziellen - keine Alternative.

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