Berlin : Mukoviszidose: Viele niedergelassene Ärzte lehnen eine Behandlung ab

Idyllisch liegt die Lungenklinik Heckeshorn in einem Waldgebiet oberhalb des Wannsees. Auch im Krankenhaus ist nicht das typische "Medizin-Flair" zu spüren: weiche, helle Farben an den Wänden, die mit gemalten Bildern und Fotos behängt sind. Offensichtlich werden hier viele junge und kleine Patienten behandelt. Und das zeichnet diese Klinik aus: Heckeshorn hat die einzige deutsche Kinderabteilung in einer Lungenklinik, hier wurde auch im November 1999 das erste deutsche Christiane-Herzog-Zentrum eröffnet. Die Stiftung finanzierte mit einer Million Mark den Umbau der Räume für die stationäre, tagesklinische und ambulante Versorgung mukoviszidosekranker Patienten. In Berlin und Brandenburg gibt es rund 360 Patienten, die an Mukoviszidose oder auch Cystischer Fibrose (CF) leiden. Mit 180 Patienten ist Heckeshorn die größte der neun CF-Ambulanzen in Berlin und Brandenburg.

In der Kinderabteilung gibt es 22 stationäre Betten, darunter sieben Einzelzimmer, in der Tagesklinik sind zwei Einbett-Zimmer für CF-Patienten reserviert. "Wir brauchen Einzelzimmer wegen der Keimhygiene", sagt Oberärztin Doris Staab, die sich seit 1984 mit der Behandlung von Mukoviszidose befasst. Damit sich die Patienten nicht untereinander mit aggressiven Keimen anstecken, gibt es je nach Art des Keimbefalls in der Ambulanz auch versetzte Sprechzeiten. Die Ambulante Tagesklinik erhält von der Kassenärztlichen Vereinigung ein Budget von rund 1000 Mark pro Patient pro Quartal. Die Arzneimittelkosten für einen Patienten belaufen sich pro Quartal allein aber auf rund 18 800 Mark, nicht eingerechnet die Krankengymnastik. Die meisten niedergelassenen Ärzte lehnen eine Behandlung von CF-Patienten ab. "Das Praxisbudget eines Mediziners würde sofort explodieren", sagt Doris Staab. Eine Anhebung der Kostenerstattung für die Ambulanzen wird bisher von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung blockiert. "Das Argument lautet: Wir sind nicht bereit, den Mehraufwand für Mukos zu zahlen. Wenn ihr jetzt kommt, wollen das auch andere Patientengruppen."

Die CF-Behandlung ist sehr komplex, deshalb arbeiten in Heckeshorn auch Diätassistenten, Physiotherapeuten und Sozialarbeiter. Die Krankengymnasten konnten nur eingestellt werden, da die Christiane-Herzog-Stiftung einen jährlichen Zuschuss von 300 000 Mark gewährt. Doris Staab hat schon häufig - selbst von Medizinern - die Frage gehört, ob sich diese teure Behandlung überhaupt lohne. "Lebensqualität korreliert aber nicht mit dem Ergebnis einer Lungenfunktion. Fragen Sie mal Eltern von Kindern oder Patienten, die an CF leiden."

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