Berlin : Multiple Sklerose: Jeden Tag Spritzen - 2200 Mark im Monat

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"Ich bin doch erst 38", sagt Sabine Bessmann-Kruthoff, "das ist doch kein Alter, in dem man auf Frührente geht." Die Steuerfachangestellte und zweifache Mutter war im Sommer 1998 nach dem Erziehungsurlaub in ihren Job zurückgekehrt. Es ging ihr gar nicht gut dabei: Nach wenigen Wochen litt sie unter Gleichgewichtsstörungen, hatte ein taubes Gefühl in der rechten Körperhälfte, sah Doppelbilder. Die Diagnose: Multiple Sklerose. Ein halbes Jahr war Frau Bessmann-Kruthoff krankgeschrieben, dann ging es wieder bergauf. Die MS machte sie nicht, wie befürchtet, zum Pfegefall.

Dank dem Medikament Copaxone, sagt die Patientin, könne sie wieder 20 Stunden in der Woche arbeiten. Jeden Tag spritzt sie sich das Mittel. Die 2200 Mark für eine Monatspackung zahlte bislang die Kasse. Im Juli schrieb ihr der Neurologe, dass er Copaxone nicht mehr verordnen dürfe. Das August-Rezept musste sie selber zahlen. Wenn sie das Medikament absetze, werde sie bald im Rollstuhl sitzen, hat ihr Arzt sie gewarnt.

Copaxone, erklärt Judith Haas, Chefärztin am Jüdischen Krankenhaus, ist eine das Immunsystem regulierende Substanz auf der Basis von Aminosäureketten, die in ihrer Zusammensetzung den Hüllsubstanzen des zentralen Nervensystems ähnlich sind. Sie blockieren die autoagressiven Zellen und die Autoantikörper und halten Entzündungen vom zentralen Nervensystem fern.

Frau Bessmann-Kruthoffs Kernspintomographien zeigen, dass nach dem Ausbruch der Krankheit 1998 keine neuen Schübe kamen. Jetzt liegen diese Aufnahmen und ärztliche Atteste beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen. Die Patientin hofft auf eine positive Einzelfallentscheidung.

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