Berlin : Museum für West-Berlin im Amerika-Haus

05.07.2006 00:00 UhrVon CD

Bezirk fordert Dauerausstellung

Das Amerika-Haus gegenüber dem Bahnhof Zoo in der Hardenbergstraße soll zum „West-Berlin-Museum“ umgestaltet werden. Das fordert zumindest die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf. Ein entsprechender FDP-Antrag wurde in der jüngsten Sitzung einstimmig angenommen. Allerdings „können wir nicht selbst entscheiden“, schränkte Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) ein. Das letzte Wort habe der Senat, der das landeseigene Gebäude verwalte.

Die USA haben wie berichtet den Mietvertrag für ihr Kultur- und Informationszentrum zum 30. September gekündigt. Der Betrieb geht zunächst im US-Konsulat an der Zehlendorfer Clayallee weiter und ab 2008 in der neuen amerikanischen Botschaft am Pariser Platz.

Die Grünen in der City-West hatten bereits im April ein „68er-Museum“ vorgeschlagen. Es sollte an die Demonstrationen der Studentenbewegung vor dem Amerika-Haus erinnern, die sich gegen den Vietnam-Krieg gerichtet hatten. Der Vorstoß fand jedoch keine Mehrheit.

Der BVV-Beschluss greift die Idee aber mit auf. Als Schwerpunkte der angestrebten Dauerausstellung werden „die Überwindung der Blockade durch amerikanische Unterstützung“, der Wiederaufbau durch den Marshall-Plan, die „Frontstadtmentalität“, Flüchtlingsströme und die Studentenproteste genannt. Außerdem sollten die Rolle der USA bei der deutschen Wiedervereinigung und die demographischen Veränderungen in der Berliner Bevölkerung gewürdigt werden, heißt es. Ein detailliertes Ausstellungskonzept gibt es noch nicht; welche Exponate zur Sammlung gehören könnten, ist deshalb offen.

Zur Verwirklichung fehlt dem Bezirk vor allem das Geld. „Zurzeit habe ich nur die Rolle einer Briefbotin“, sagt Bürgermeisterin Thiemen: Sie werde den Willen der Bezirksverordneten dem Senat übermitteln. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer FDP-Kulturexperte Wilfried Fest hofft auf einen privaten Investor, der das Vorhaben unterstützt.

„Wir sind dazu verpflichtet, das Amerika-Haus auf den Markt bringen“, sagte der Sprecher der Senatsfinanzverwaltung, Matthias Kolbeck. Schließlich entspreche es der gängigen Praxis, Gebäude über den Liegenschaftsfonds zu vermarkten, wenn das Land Berlin sie nicht mehr benötige.

Voraussichtlich wird in den kommenden Monaten ein Senatsbeschluss die Weichen für die Zukunft des traditionsreichen Gebäudes stellen, das die USA im Juni 1957 eröffnet hatten. „Es gibt mehrere private Kauf- und Mietinteressenten“, sagte Sprecherin Irina Dähne vom Liegenschaftsfonds. Bei der Käuferauswahl werde auch die „politische Willensbildung“ ein Rolle spielen. „Und da geht ja zurzeit alles in Richtung Museum.“

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