Berlin : Musiiiiiiiik

Christine Lang

Clubs haben im Sommer nur eine Chance, wenn sie wenigstens über einen kleinen Open Air Space verfügen. Die Konkurrenz von Strandbädern und Straßencafés ist einfach zu groß. Selbst das Maria am Ostbahnhof verfügt inzwischen über einen kleinen Open-Air-Platz an der Spree. Dabei lässt es sich in dem großen Club auch bei hohen Temperaturen gut aushalten, wie am vergangenen Wochenende beim Musikfestival Marke B. Das Festival war nicht übermäßig gut besucht, was der Atmosphäre jedoch eher zuträglich war.

Am kommenden Wochenende findet im Maria ein Festival aus einer ganz anderen musikalischen Ecke statt. Beim so genannten Musiik-Festival treten Bands auf, die ihre Namen, etwa „Japanische Kampfhörspiele“ oder „Excrementory Grindfuckers“, zum Programm gemacht haben. Sie bezeichnen sich gerne als Musikfeinde, kommen aus kleineren Städten, in diesem Fall aus Krefeld und Hannover, häufig aus dem Umfeld besetzter Häuser, und spielen Grindcore.

Bei dieser musikalischen Metal-Unterart wird „geknüppelt und gedroschen bis die Hütte einstürzt.“ Die stakkatoartigen Rhythmen mit selten unter 200 Beats pro Minute werden von besonders tiefen Gesangsstimmen begleitet. Dazu ist „moshen“ und „diven“ angesagt. Das heißt, man tanzt ohne Rücksicht auf Verluste und schmeißt sich von der Bühne in die emporgehobenen Arme des Publikums. Es geht um exzessives Abrocken, welches übrigens fast unter Ausschluss von Frauen stattfindet.

Die Ästhetik des Grindcore gibt vor, dass „keine Gefangenen gemacht werden“. Die übertriebenen Härte-Attribute wie das kehlige, unverständliche Gegrunze von Texten mit Titeln wie „Gekochtes für Tiere“ oder einem Albumtitel wie „Fertigmachen, Szeneputzen!“ sind so extrem, dass es schon wieder lustig ist. Auch beim Namen der Berliner Formation „Gitarre & Schrank“ und deren Selbstauskunft muss man schmunzeln: Sie führen „moderne Kompositionen für die zwei außergewöhnlichsten Musikinstrumente der Welt“ auf – eben Gitarre und Schrank.

Fr., 3. Juni ab 20 Uhr, im Maria am Ostbahnhof an der Schillingbrücke, Eintritt 10 Euro, Hörproben unter www.musiik.de.

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