Musik aus Wedding : "We can do it!"

Gewalt, Arbeitslosigkeit, Integrationsdruck - der Stadtteil Wedding macht nicht häufig positive Schlagzeilen. Dass es aus dem "Problemkiez“ durchaus Erfreuliches zu berichten gibt, beweist das Schüler-Musical "Streets of Wedding” auf eindrucksvolle Art und Weise.

Isaac Bah

WeddingNach dem großen Erfolg der ersten Inszenierung im Jahr 2007 geht das Schüler-Musical "Streets of Wedding" nun von Berlin aus auf Deutschlandtour. Vom 7. - 18. März sind die jungen Talente in Köln, Frankfurt und Nürnberg zu sehen. Den Tournee-Auftakt bildet am Freitagabend aber selbstverständlich Berlin.

Die 40 Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren haben monatelang auf diesen Moment hingearbeitet - meist außerhalb der Schulzeit. Diese Extraschichten haben sich bezahlt gemacht. Schon bei der Generalprobe wird schnell deutlich, diese Kids wissen wovon sie singen und reden - auf der Bühne, aber wohl auch in ihrem Alltag. Um mangelnde "Street Credibility" muss sich also kein Besucher Sorgen machen.

Hiphop und Breakdance

Das Ensemble ist ein Querschnitt durch das multikulturelle Stadtbild Weddings. Die Akteure kommen aus der Türkei, Bosnien, Libanon, Mazedonien, Angola oder Indonesien. Im Alltag beeinträchtigen oft Sprachprobleme das Miteinander, auf der Bühne ist davon nichts zu spüren. Wohl auch, weil sämtliche Texte auf Englisch vorgetragen werden.

Das liegt auch daran, dass Todd Fletcher, der Initiator des Projekts, US-Amerikaner ist. Die fremde Sprache ist dabei kein Hemmnis, im Gegenteil. Durch das Englisch wird auch der Bezug zur Hiphop- und R&B-Szene hergestellt, die im Musical oft den Rhythmus vorgibt.

Selbstbewusstsein und Disziplin

Zwischen harten Raps und akrobatischen Breakdance-Einlagen beweisen die Mädchen der Truppe Stimmgewalt und Gefühl in gekonnt vorgetragenen Balladen. Dass bis vor wenigen Monaten kaum jemand über Bühnenerfahrung verfügte, ist der Truppe nicht anzumerken. Neben Selbstbewusstsein haben die Schülerinnen und Schüler in den letzten Monaten auch Selbstdisziplin dazu gewonnen.

Gab es zu Beginn der Proben häufig noch Unpünktlichkeit und Konzentrationsprobleme, so haben sich mittlerweile alle in den Dienst der Sache gestellt. Das gemeinsame Ziel ist klar: Nachdem Berlin sich schon von der Qualität der "Streets of Wedding" überzeugen konnte, soll nun der Rest Deutschlands erobert werden.

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