Berlin : Mutmacher Carreras

Star-Tenor trifft auf Leukämie-Patienten und Forscher

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Auch wenn er nicht singt, sondern in einem sehr nüchternen Konferenzraum der Charité sitzt, hat José Carreras eine fast zwingende Präsenz. Er lauscht hoch konzentriert mit gefalteten Händen und leicht geneigtem Kopf, aber etwas an ihm scheint zu groß für diesen Raum und also weit weg zu sein. Seit er 1987 selber eine Leukämieerkrankung überwunden hat, fördert der große Tenor mit seiner eigenen Stiftung die Erforschung der Krankheit und neuer Behandlungsmethoden. Außerdem besucht er auch selber immer wieder Patienten und macht ihnen Mut. Gestern also ging es darum, zwei Projekte auf dem Benjamin-Franklin-Campus der Charité vorzustellen, die von der deutschen Stiftung mit über 850 000 Euro gefördert wurden und die, wie Klinikdirektor Eckhard Thiel betonte, die Entwicklung richtungweisender Behandlungskonzepte ermöglichen. Zum einen handelt es sich um die weltweit erste Fatigue-Ambulanz, die auch den Namen des Sängers trägt. Dort arbeitet der Sportmediziner Fernando Dimeo mit neuesten Erkenntnissen aus seinem Fach, um die permanenten Müdigkeits- und Erschöpfungszustände zu lindern, unter denen viele Erkrankte leiden.

Auch eine Impfambulanz wird von der Stiftung gefördert. Dafür haben die Professoren Ulrich Keilholz und Carmen Scheibenbogen einen Impfstoff entwickelt, der dem Immunsystem hilft, neu entstehende Krebszellen zu bekämpfen. Eine 47-jährige Frau, die schon mit ihrem sehr baldigen Tod hatte rechnen müssen, erzählte, dass sie auch aufgrund dieser Impfungen noch weiterleben kann. Und ja, es habe ihr Mut gemacht zu sehen, dass es sich jemand zur Lebensaufgabe gemacht hat, diese Krankheit zu bekämpfen. „Das ist schon was Großes.“

„Leukämie muss heilbar werden“, lautet das Ziel, das sich José Carreras gesetzt hat. Auch ihn traf die Krankheit völlig überraschend und aus heiterem Himmel. Elf Monate verbrachte er in Krankenhäusern. Nach seinem Sieg über die Krankheit gründete er 1988 in seiner Heimatstadt Barcelona die Mutterstiftung, die heute unabhängige Töchter in den USA, der Schweiz und Deutschland hat. In den letzten zehn Jahren nahm die deutsche Tochter über 100 Millionen Euro ein und hat unter anderem 170 Forschungsprojekte ermöglicht.

Macht es ihm gar nichts aus, durch Krankenhäuser zu gehen, die auch schmerzliche Erinnerungen wecken können? „Ich fühl’ mich gut, hier zu sein und das tun zu können“, sagt der Tenor zuvorkommend. „Ich freue mich, Patienten zu treffen und zu sehen, dass sie in guten Händen sind, dass man sich um sie kümmert.“ Er selbst hat keine Angst, dass die Krankheit wieder kommt. Wenn es so wäre, dann wäre es eine völlig neue Erkrankung. „Das kann aber jeden von uns treffen“, sagt er ernst. „Jederzeit.“ Bi

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