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Nach Anschlagsserie : Deutsche Bahn setzt 100.000 Euro Belohnung aus

Nach der Anschlagserie auf die Anlagen der Deutschen Bahn hat das Unternehmen eine Belohnung in Höhe von 100.000 Euro ausgesetzt. Die Polizei verstärkt die Kontrollen.

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Ein Beamter mit Schutzanzug nimmt eine der Flaschen mit unbekannter Flüssigkeit mit einer Zange hoch.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
13.10.2011 12:14Ein Beamter mit Schutzanzug nimmt eine der Flaschen mit unbekannter Flüssigkeit mit einer Zange hoch.

Die Deutsche Bahn will 100.000 Euro für Hinweise zahlen, die im Fall der Brandanschlagserie zur Ergreifung der Täter führen. Das teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. Das ist eine ungewöhnlich hohe Summe. Für Hilfe bei Mordfällen setzen die Behörden meist etwa 5000 Euro aus. Seit Montag wurden mehrere Brandanschläge auf die Anlagen der Bahn in und um Berlin verübt.

Am Mittwoch sind in Berlin und Brandenburg weitere Brandsätze an Gleisen entdeckt worden. Es waren wieder Plastikflaschen, die Unbekannte in Kabelschächten deponiert hatten und die bei einer Zündung die Signale der Bahnen lahmlegen sollten. Solche Brandsätze wurden westlich von Staaken gefunden, außerdem am S-Bahn-Ring nahe Gesundbrunnen und Südkreuz.

Der Brandsatz bei Staaken war wohl am Montag, als ein Anschlag bei Brieselang die dortigen Signalkabel zerstört hatte, unbemerkt entflammt, ohne große Schaden anzurichten. Die anderen am Mittwoch entdeckten Brandsätze wurden gefunden, ohne dass sie sich entzündet hätten.

Den dritten Tag in Folge kam es dadurch zu Störungen im Fern-, Regional- und S-Bahnverkehr.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. „Wir gehen vor allem dem Verdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage nach“, sagte ein Sprecher der Behörde in Karlsruhe, die bei erheblicher Gefährdung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik, meist bei Spionage- und Terrorismusverdacht, ermittelt.

Die Berliner Polizei bekommt nun Unterstützung vom Bundeskriminalamt. In den vergangenen Tagen waren mindestens 15 Brandsätze an Bahnstrecken in und bei Berlin gefunden worden. Die Zahl variierte in den Behördenangaben jedoch - je nach Zählweise der Bestandteile eines Paketes.

Ebenfalls seit Montag können nach einem Brandanschlag auf einen Kabelschacht bei Brieselang zahlreiche Züge zwischen Hamburg und Berlin nicht fahren. Die Reparaturen dort werden frühestens an diesem Donnerstag abgeschlossen sein. So lange werden die Züge zwischen Hamburg und Berlin weiter über Stendal umgeleitet.

Zu dem Anschlag bekannte sich eine linksradikale Gruppe. In einem im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben hieß es, mit dem Brandanschlag werde gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan protestiert. Vermutet wird, dass die Gruppe auch für die nicht gezündeten Brandsätze am Hauptbahnhof in Berlin und in den Stadtteilen Grünau und Prenzlauer Berg verantwortlich ist. Die Polizei schloss nicht aus, dass es noch weitere, unentdeckte Brandsätze gibt. Eine Gefahr für Menschen sehen Experten jedoch nicht, auch weil bei technischen Defekten die Züge automatisch stoppen würden.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bezeichnete die Anschläge als „verbrecherische, terroristische Ansätze einer neuen Dimension“. Er lobte zugleich die Sicherheitsbehörden, weil sie die meisten Anschläge vereiteln konnten. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte, es sei ein „furchtbarer Zustand“, wenn Menschen durch solche Anschläge gefährdet würden. Er gehe nicht von einem neuen Linksterrorismus aus. Auch das Bundesinnenministerium sieht noch keinen neuen Linksterrorismus in Deutschland. Verfassungsschützer lehnen es bislang ebenfalls ab, die Vorfälle so zu bezeichnen, da es bei den aktuellen Anschlägen nicht gezielt darum ging, Personen zu verletzen. Auch den Vergleich zu den Anschlägen der „RAF“ ab den 70er Jahren teilen Verfassungsschützer und Terrorexperten nicht.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe bezeichnete die Brandanschläge als „dramatischen Weckruf“ für die Demokratie. „Seit Jahren wird der Linksextremismus von vielen verharmlost“, sagte Gröhe dem Tagesspiegel. Die Berliner CDU kündigte an, in den am Mittwoch begonnenen Koalitionsverhandlungen mit der SPD zu fordern, dass Verfassungsschutz und Polizei in der Hauptstadt sich stärker als bisher der Bekämpfung linksextremer Aktivitäten zuwenden sollen. Das sei von Rot-Rot vernachlässigt worden, sagte der CDU-Innenpolitiker Andreas Gram.

Von den Tätern fehlt jede Spur. Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite.

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