Nach dem Einsturz : Zupacken im Gotteshaus

Viele Gemeinden leiden unter Geldnöten. Beim Bau sind sie auf ihre Mitglieder angewiesen.

Ferda Ataman

BerlinDas Baugerüst wurde hier schon vor über zwei Jahren entfernt. Seither sieht die Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee in Kreuzberg von außen aus, als sei sie fertig. Doch die Türen blieben bislang verschlossen. Ein Blick hinter die verdunkelte Fensterfront an der Ecke Wiener- / Skalitzer Straße erklärt, warum: In den sechs Etagen hängen noch Elektrokabel lose von der Decke, hier und da liegt Bauschutt, die Wände sind nicht fertig gefliest. Im ersten Stock, neben der Gebetskuppel, arbeiten ein paar Männer an Gipsornamenten, die das islamische Gemeindezentrum verzieren sollen. Ansonsten passiert zurzeit nicht viel.

Wann das Innenleben der Moschee fertiggestellt ist, weiß die Gemeinde auch nach fünf Jahren Bauzeit noch nicht. „Das hängt von den Spenden ab“, erklärt Birol Ucan vom „Islamischen Verein für wohltätige Projekte“ (IVWP), der für den Moscheebau zuständig ist. „Wir können erst weitermachen, wenn wieder Geld reinkommt.“ Im Moment sehe es nicht besonders rosig aus.

Nicht selten ziehen sich Bauvorhaben von – christlichen, islamischen und buddhistischen – Glaubensgemeinschaften deshalb viele Jahre hin. Um überhaupt voranzukommen, sind die Gemeinden oft auf zupackende Mitglieder angewiesen: Einen Rohbau von Berlins größter Moschee am Columbiadamm etwa hat die Sehitlik-Gemeinde selbst errichtet. Erst für die Fertigstellung wurden professionelle Firmen engagiert. Auch die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins Sri Ganesha in Neukölln mussten eigenhändig einen Schrein zimmern. Er dient als Provisorium, bis genug Geld für den Bau ihres Hindutempels an der Hasenheide zusammenkommt. „Viele von uns wollen mit anpacken, wenn es im Herbst auf der Baustelle losgeht“, erklärt Vereinspräsident Avnish Kumar Lugani. „Natürlich nur bei Arbeiten, die nicht von Fachleuten getätigt werden müssen.“

Wie genau „Sonderbauten“ ausgeführt werden, wird jedoch nicht überprüft. Laut Bauordnung trägt bei Unfällen und Einstürzen der Eigentümer oder Architekt die Verantwortung. „Vor dem Bau müssen sie unterschreiben, dass sie alle Regularien einhalten“, sagt Wolfgang Borowski, Leiter im Neuköllner Amt für Planen, Bauordnung und Vermessung. Wenn der Behörde der Bericht des Prüfstatikers vorliegt, wird nicht weiter kontrolliert, wer die Bauarbeiten auf welche Weise ausführt. „Das können wir gar nicht“, sagt Borowski, „wir greifen nur ein, wenn uns etwas Unstimmiges auffällt.“ Wie etwa 2003, als das Bezirksamt kurz vor der Eröffnung der Sehitlik-Moschee feststellte, dass die Minarette rund zehn Meter höher waren, als besprochen. „Zankereien mit bauenden Gemeinden haben wir immer wieder, aber wir betrachten Moscheen wie Kirchen, sie müssen dieselben Auflagen erfüllen und können dann bauen“, so Bolowski.

Finanzielle Nöte mit der Instandhaltung haben auch Kirchen. Katholiken und Evangelen  müssen oft ebenfalls anpacken. 1998 musste auch der Senat aushelfen, als bei der russisch-orthodoxen Konstantin-und-Helena-Kirche in Tegel die Kuppel vom Einsturz bedroht war. Die Gemeinde konnte sich die Instandsetzung nicht leisten. 

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