Berlin : Nach dem Frost blühen uns die Baustellen

Langer Winter verzögerte Projekte: Straßen sind bis zur WM nicht fertig. Auch die Freibäder öffnen wahrscheinlich später

Matthias Oloew

Der Frost ist endlich weg, jetzt beginnt der Zeitdruck. Weil erst jetzt im großen Stil die Bauarbeiten an Berlins Straßen und Plätzen wieder aufgenommen werden können, sind die Bauarbeiter in Verzug. Bis zu sechs Wochen beträgt der Rückstand. Das bedeutet: Viele Baustellen werden bis zur Fußball-Weltmeisterschaft nicht fertig, oder die Straßen und Plätze können nur provisorisch hergerichtet werden. Das betrifft zum Beispiel die Anlieger der Alexanderstraße in Mitte. Zuletzt sollte die Straße am 31. Mai wenigstens teilweise wieder für den Verkehr freigegeben werden. Jetzt wird es frühestens Anfang Juli so weit sein.

Die Straße ist zwischen Holzmarktstraße und Alexanderplatz komplett aufgerissen. Eigentlich sollte schon im Dezember der Verkehr auf einer Fahrbahn wieder fließen, aber die Bauarbeiten waren umfangreicher als erwartet und der Boden gab nach. Rund 40 Millionen Euro werden unter der Regie der Wohnungsbaugesellschaft DeGeWo hier verbaut – alles Vorbereitungen für das Einkaufszentrum „Alexa“, das hier entsteht.

Bauverzögerungen gibt es auch am neuen Hauptbahnhof. Ursprünglich wollten die Bauarbeiter im Januar beginnen, den nördlich des Bahnhofs gelegenen Europaplatz und den südlichen Washingtonplatz nach den preisgekrönten Entwürfen herzurichten. Jetzt werden beide Plätze provisorisch bis zur WM mit einer Asphaltdecke überzogen und so begehbar gemacht. Die endgültige Gestaltung werde später erfolgen, sagt Petra Rohland, Sprecherin der zuständigen Stadtentwicklungsverwaltung: „Wir versuchen, die Verzögerung aufzuholen.“

Das gilt auch für die Pflasterarbeiten Unter den Linden, zwischen Humboldt- Universität und Staatsoper. Anders als auf anderen Tiefbaustellen in der Innenstadt haben auf dieser Prestige-Baustelle die Arbeiter auch während der Frostperiode weitergemacht – unter beheizten Zelten. Das ging jedoch nur wesentlich langsamer als unter normalen Bedingungen, und deshalb ist auch hier der Zeitplan durcheinander geraten. Petra Rohland hofft, dass zumindest diese Baustelle bis zur WM fertig sein wird, und die Fußgänger ohne Bauzäune das Standbild des reitenden Friedrich II. sehen und fotografieren können.

Mit dem Ende der Frostperiode bilanzieren die Bezirksämter die Schäden an den Straßen durch Frostaufbrüche. Wie 2005 hat die Stadtentwicklungsverwaltung zehn Millionen Euro bereitgestellt, die im so genannten Schlaglochprogramm für die Ausbesserung der Straßen zur Verfügung stehen. Das Geld wird vor allem für neuen Asphalt ausgegeben, zum Beispiel auf der Straße des 17. Juni.

Die lange Frostperiode bringt auch anderswo Fahrpläne durcheinander. Der Admiralspalast wird, wie berichtet, erst im August in Betrieb gehen. Ursprünglich sollte er in vier Wochen öffnen. Und auch der Start in die Sommersaison der Freibäder ist gefährdet. Weil das Wasser in den Becken noch teilweise gefroren ist, konnten die Bäderbetriebe es nicht ablassen, um nachzuschauen, wie groß die Frostschäden sind. Bäderchef Klaus Lipinsky: „Sollten wir in den Bädern nicht wie geplant am 29. April starten können, bleiben stattdessen die Hallen geöffnet.“

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