Nach dem Votum zum Tempelhofer Feld : Aus für die "Schaustelle Wohnen"

Der Volksentscheid zum Tempelhofer Feld beendete auch die Zeit der Infobox „Schaustelle Wohnen“. Unser Autor findet, man sollte sie stehen lassen.

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Die Schaustelle Wohnen auf dem Feld ist nach dem Volksentscheid obsolet. Am Montag blieb sie prompt geschlossen.
Die Schaustelle Wohnen auf dem Feld ist nach dem Volksentscheid obsolet. Am Montag blieb sie prompt geschlossen.Foto: dpa

So sieht er also aus, der Staub der Geschichte. Durch die Glasscheiben ist er von außen auf den schwarzen Fußabtretern gut zu erkennen, die Spuren der letzten Besucher der Infobox „Schaustelle Wohnen“ am Rande des Tempelhofer Feldes. Bei einem anderen Verlauf des sonntäglichen Volksentscheids hätte man sie wohl wieder gesaugt, hätte Interessierte willkommen geheißen an diesem Montag, Punkt 15 Uhr, wie in den vergangenen Monaten auch – Werbung für die Senatspläne zur Randbebauung des riesigen Areals.

So aber: kein Staubsaugereinsatz, kein Personal, das freundlich Broschüren darbietet, die jetzt sinnlos, doch wohlsortiert in den Ständern der Vergessenheit entgegendämmern. „Geänderte Öffnungszeiten“, heißt es noch immer draußen an der Tür, aber das bezieht sich nur auf den Wechsel von der Winter- zur Sommersaison. Öffnen wird sich dieser Pavillon kaum mehr, allenfalls um ihn leer- und wegzuräumen.

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26.05.2014 11:30Berlin hat gewählt: Alle zwölf Bezirke sind für ein freies Feld. Doch welcher Bezirk hat wie abgestimmt? Und wo gab es...

Was irgendwie schade wäre: Zahllose Schichten der Stadthistorie haben sich auf dem Tempelhofer Feld abgelagert, auch lange vergessene, die jetzt mit archäologischer Akribie wieder freigebuddelt und dem Staunen der Besucher dargeboten werden. Auch der längst entsorgten Infobox könnte es so gehen, wenn in Jahrzehnten oder noch später bei irgendwelchen Erdarbeiten am Rande der riesigen Freifläche Fundamentreste eines rätselhaften kleinen Bauwerks von rechteckigem Grundriss entdeckt werden, dessen Funktion erst nach langwierigen wissenschaftlichen Debatten halbwegs geklärt wird.

Das kann man bequemer haben: Denkmalschutz für die „Schaustelle Wohnen“ und Umwidmung zur Dependance des Stadtmuseums, mit täglichen Führungen ab 15 Uhr. Die Fußabtreter müssten freilich noch gesaugt werden.

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