Berlin : Nach der Hundeverordnung: Weniger Beißereien, aber das Leben der Tiere ist elender

Die Verschärfung der Hundeverordnung vor knapp einem Jahr hat bewirkt, dass weniger Beißattacken auf Menschen vorkamen. Gleichzeitig trennen sich immer mehr Halter von ihren Hunden. "Bei uns landen jede Woche über 30, manchmal 60 verwaiste Hunde", sagt Claudia Ruff, die Sprecherin des Berliner Tierheimes Lankwitz. Das Tierheim, das im Juni sein 100-jähriges Bestehen begeht, kann nicht annähernd so viele Tierfreunde finden, die sich der verlassenen, ausgesetzten Tiere erbarmen. In Lankwitz warten derzeit mehr als 300 Hunde und 200 Katzen auf Abholung. Um so schmerzlicher sei es, dass sich der geplante Umzug der Tierheims nach Hohenschönhausen in angemessenere Räume weiter verzögere. "Ich hoffe, dass wir nun im Spätsommer mit allen Tieren und den 60 Mitarbeitern in unser neues Heim ziehen", sagt Frau Ruff.

Die Senatsgesundheitsverwaltung zieht eine andere Bilanz aus den verschärften Bestimmungen zur Hundehaltung. Die Zahl der Hundebisse sei um 20 Prozent zurückgegangen, sagte die stellvertretende Sprecherin Regina Kneiding. 1999 waren noch mehr als 1 800 Menschen von Hunden angefallen worden, im vergangenen Jahr waren es rund 1 450. Seit Inkrafttreten der neuen Bestimmungen im Juli 2000 sei es zu keinen nennenswerten Bissen gekommen.

Nach den Regelungen gilt unter anderem für zwölf Rassen ein genereller Leinen- und Maulkorbzwang im gesamten Stadtgebiet. Fünf der zwölf Rassen unterliegen darüber hinaus einer Anzeige- und Kennzeichnungspflicht. Halter von "Kampfhunden" mussten sich beim Veterinäramt melden. Wenn alle Voraussetzungen vorliegen, erhält der Halter eine grüne Plakette, die am Halsband des Tieres befestigt wird. Nach Frau Kneidings Angaben wurden bisher über 5500 Kampfhunde angemeldet. Für etwa 4000 seien bereits grüne Plaketten ausgegeben worden.

Seit Inkrafttreten der neuen Bestimmungen wurden im Tierheim Lankwitz rund 400 aufgegriffene Kampfhunde von Behörden abgegeben. Sie kamen zunächst in die städtische Tiersammelstelle auf dem Gelände des Heims. "Wenn wir nicht für die Tiere sorgten, bliebe als Alternative nur noch, sie einzuschläfern", sagt die Tierheimsprecherin Ruff. Vom Senat sei keinerlei Unterstützung gekommen. Seit Juli vergangenen Jahres konnten nur 160 Kampfhunde an neue Halter vermittelt werden. Das auch mit rund 200 herrenlosen Katzen und vielen anderen Tieren überlastete Tierheim musste bereits drei Tierpensionen in Brandenburg und Bayern in Anspruch nehmen. Rund 100 Kampfhunde mussten seit vergangenem Jahr wegen gesteigerter Aggressivität und Zwingerneurosen eingeschläfert werden. Viele Menschen, die sich einen Hund anschafften, hätten gar keinen Bezug zu dem Tier und wollten es nach kurzer Zeit wieder loswerden, sagt Frau Ruff. Wer sich spontan einen Hund kaufe und sich vorher keine Gedanken über die damit verbundene Arbeit mache, handle verantwortungslos: "Dann ist ein schlecht erzogener Hund eine Last, die abgeworfen wird."

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