Berlin : Nach der Party geht der Streit weiter

Übers Babylon wird nun ein Gericht entscheiden

Nana Heymann

Die Wiedereröffnung des Filmkunsthauses Babylon an der Rosa-Luxemburg-Straße hatten sich Tobias Hackel und Timothy Grossmann sicher anders vorgestellt: Mit einem Marathon aus Filmpremieren, Konzerten und Partys wurde die Neuaufnahme des Programms gefeiert. Eigens dafür kamen illustre Gäste wie Hanna Schygulla und Jürgen Vogel. Doch kurz zuvor erreichte die neuen Betreiber die Nachricht vom vorläufigen Subventionsstopp. Der Scheck der Kulturverwaltung in Höhe von rund 320 000 Euro musste storniert werden. Der zugesicherte Zuschuss bleibt vorerst aus.

Von einem „Erfolg mit Beigeschmack“ spricht Jochen Roemer, Sprecher des vorigen Betreibers, des Vereins Berliner Filmkunsthaus Babylon. Wie berichtet, hatte er mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht die Aussetzung der Zahlungen bewirkt. Begründet wurde die Klage mit Verfahrensfehlern bei der Ausschreibung des Kinos: Durch kurzfristige Änderungen der Auflagen während des Interessenbekundungsverfahrens seien sein Verein und weitere Mitbewerber benachteiligt worden. Mit einem Mischkonzept aus kommerziellem und kommunalem Kino hatten schließlich Hackel und Grossmann den Zuschlag für das Haus erhalten.

Überrascht von der Entwicklung zeigte sich Torsten Wöhlert, Sprecher von Kultursenator Thomas Flierl (PDS). „Nach Zustellung der Klageschrift werden wir sehen, wie wir damit umgehen und wie wir darauf reagieren.“ Er verwies darauf, dass die Klage lediglich aufschiebende Wirkung habe. Die Vorwürfe über Unrechtmäßigkeiten beim Interessenbekundungsverfahren wies er zurück.

Kläger Jochen Roemer dagegen spricht von „Mauschelei und Formfehlern“ beim Ausschreibungsverfahren. „Das Kino ist mit großem Bohai aufgemacht worden. Das finde ich aus der Distanz ganz gut, aber darum geht es nicht.“ Ursprünglich war für das Babylon ausschließlich eine kommunale Bespielung geplant, nun sollen aber auch kommerzielle Filme gezeigt werden dürfen. Deshalb reichte Rechtsanwalt Peter Raue im Auftrag der unterlegenen Bewerber Klage ein. Neben Roemers Verein hatten sich auch die EYZ-Gruppe und das Filmtheater Hackesche Höfe/Central um das Kino beworben.

Roemer hofft nun auf eine Revision der Entscheidung. „Das Ganze ist ein Skandal, der einfach nicht zu akzeptieren ist. Das Verfahren ist nicht rechtmäßig gelaufen.“ Der vorläufige Teilerfolg sei jedoch „mit Vorsicht zu genießen“, sagt er. Denn bis es zu einem Urteil kommt, können immerhin noch gut zwei Jahre vergehen. Am Wochenende war Roemer jedenfalls schon mal damit beschäftigt, die Büroräume seines Vereins auszuräumen.

Von den neuen Betreibern war zu dem Streit gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

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