Nach Hubschrauber-Unglück : Bewegender Abschied für den Piloten

Vor einer Woche starb der Familienvater Lutz A. bei einer Hubschrauber-Übung auf dem Maifeld. Zur Trauerfeier in Potsdam kamen 1000 Menschen in die Kirche St. Peter und Paul.

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Aus dem ganzen Bundesgebiet reisten Bundespolizisten mit Bussen am, um ihrem Kollegen die letzten Ehre zu erweisen.
Aus dem ganzen Bundesgebiet reisten Bundespolizisten mit Bussen am, um ihrem Kollegen die letzten Ehre zu erweisen.Foto: dpa

In der Kirche St. Peter und Paul in Potsdam herrscht absolute Stille. Nur von draußen dringt dumpf das Glockengeläut herein. Etwa 1000 Angehörige der Bundespolizei haben sich zur Trauerfeier zum Gedenken an Lutz A. versammelt. Der Hubschrauberpilot war am vergangenen Donnerstag bei einem Unfall während einer Übung am Olympiastadion gestorben. Ein Bild von ihm in Schwarz-Weiß ist vor dem Altar aufgestellt. Als Letztes nehmen seine Angehörigen in der ersten Reihe Platz. Der Pilot war fünffacher Vater. Vor wenigen Jahren schon musste die Familie den Tod eines der Kinder verkraften. Nun noch der plötzliche Tod des Vaters. Die Anteilnahme bei seinen Kollegen ist spürbar an diesem Nachmittag. Mit etlichen Bussen reisten hunderte Beamte extra an.

Einer, der A. kannte, war Thomas Helbig. Der Leiter der Fliegergruppe hatte seinen Kollegen A. mehrfach erlebt. Gemeinsam waren sie vor Jahren bei einem Einsatz in Ägypten, erzählt er bei seiner Trauerrede. Über Zypern, Griechenland, Italien und Österreich flog A. die Beamten damals über die Alpen sicher nach Hause. Die längste Strecke in der Geschichte der Fliegerstaffel bisher. „Wir kommen an einen Punkt, an dem wir uns fragen, warum manchen Menschen so viel mehr aufgebürdet wird“, sagt Helbig. Ein Kunsthandwerker sei der Mann gewesen. Als Pilot und als Mensch. Bevor er 1993 Pilot beim damaligen Bundesgrenzschutz wurde, hatte er das Handwerk eines Schneiders für Maßanzüge erlernt. Akkurat, aber nie verkrampft sei er gewesen.

Trauerfeier für Bundespolizei-Piloten
Bis zu 1000 Trauernde nahmen am Gedenkgottesdienst teil. Der 40-Jährige verunglückte tödlich, als zwei Hubschrauber der Bundespolizei kollidierten.
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27.03.2013 17:04Bis zu 1000 Trauernde nahmen am Gedenkgottesdienst teil. Der 40-Jährige verunglückte tödlich, als zwei Hubschrauber der...

Gleich mehrfach spricht er die Angehörigen direkt an, übermittelt die Anteilnahme von Piloten und Polizisten, die ihn aus allen Ländern der Europäischen Union bisher erreicht hätten. Auch Dieter Romann, Präsident der Bundespolizei, wendet sich direkt an die Ehefrau des Opfers: „Niemand kann angemessene Worte finden, für das, was Ihnen widerfahren ist“, sagt er. Die Bundespolizei werde sich wie eine Familie um die Hinterbliebenen kümmern, verspricht er. Doch vor allem nutzt Romann die Trauerfeier, um noch einmal öffentlich den Übungseinsatz gegen Kritik zu verteidigen, bei dem der Pilot ums Leben kam.

Die lang angelegte Übungssituation sei für den Flugdienst „letztlich nur tägliche Praxis“. „Das schließt die Flugbedingungen an dem Tag ausdrücklich mit ein“, sagt Romann und blickt wieder in die erste Reihe, wo Frau, Kinder und Eltern sitzen. „Der Flugdienst bereitet jeden seiner Flüge sorgfältig vor. So war es. So ist es. Und so wird es auch in Zukunft sein.“ Es ist eine Botschaft an Medien und die Politik.

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