Nach Liebig-14-Räumung : Autonome attackieren Boutiquen in Mitte

05.02.2011 14:15 UhrVon Hannes Heine
  • Modeläden rund um den Hackeschen Markt wurden in der Nacht zu Samstag zur Zielscheibe offenbar linksextremistischer Sachbeschädiger. Hier wird das Scherbengericht samt... - Foto: Björn Kietzmann
  • Dutzende Autonome randalierten im Kiez in Mitte - aus Protest gegen die Räumung des linken Wohnprojekts in der Liebigstraße 14 in Friedrichshain. - Foto: Tsp
  • Radikaler Chic? - Foto: Björn Kietzmann

Erneut gab es in der Nacht zu Sonnabend in Berlin linksextreme Randale wegen der Räumung des Wohnprojekts Liebig 14. In der Nähe des Hackeschen Marktes wurden Scheiben von Boutiquen zerstört.

Anlass ist die Räumung des von Linken bewohnten Hauses in der Liebigstraße 14 am vergangenen Mittwoch. Am Freitagabend hatten sich zunächst gegen 21 Uhr bis zu 200 Sympathisanten in der Revaler Straße in Friedrichshain versammelt. Zuvor war im Internet zu der Kundgebung mobilisiert worden.

Nach Polizeiangaben überprüften Beamte mehrere Personen und stellte Vermummungsutensilien sicher, auch Messer sollen gefunden worden sein. In der autonomen Szene wird letzteres bezweifelt.

Die Polizei erklärte die unangemeldete Versammlung gegen 21.30 Uhr für beendet, es wurden Platzverweise ausgesprochen. Die Linken verteilten sich in Kleingruppen.

Fast zeitgleich zogen Passanten zufolge rund fünfzig Vermummte in Mitte von der Alten Schönhauser Straße über die Weinmeisterstraße in die Rochstraße. Sie warfen bei fast 30 Geschäften die Scheiben ein und beschädigten Autos. Bevor Einsatzkräfte eintrafen, floh die Gruppe. Der Staatsschutz ermittelt wegen schweren Landfriedensbruchs.

Für die Nacht zu Sonntag werden weitere Proteste erwartet – die Bewohner des Hauses in der Liebigstraße 14 hatten dazu aufgerufen, die Räumung so teuer wie möglich werden zu lassen. Erst am Mittwochabend hatte es Randale in Friedrichshain gegeben.

Auch drei Tage nach der Räumung des in der linken Szene weit über Berlin hinaus bekannten Hauses demonstrierten Autonome auch in Hamburg und Kopenhagen ihre Solidarität. In beiden Städten lieferten sich Linksradikale in der Nacht zum Sonnabend massive Auseinandersetzungen mit der Polizei. In beiden Städten gibt es traditionell eine große autonome Szene, Linke aus Norddeutschland und Dänemark nehmen regelmäßig an Protesten in Berlin teil. In den Hamburger Stadtteilen St. Pauli und Altona flogen Steine und Flaschen auf Einsatzkräfte. Vor dem Rathaus trieben Polizisten die Linken mit Schlagstöcken und Pfefferspray auseinander.

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