Berlin : Nach links

Andreas Conrad

wünscht sich schon seit langem zwei rechte Hände Nur wenige Gewissheiten sind dem modernen Menschen geblieben. Weisheiten wie „Links ist da, wo der Daumen rechts ist“. Allein, schon da kann man sich nicht mehr ganz sicher sein, vor allem nicht, wenn man dieses Urwissen der Menschheit auf aktuelle Politik zu übertragen versucht. Halten wir uns also lieber an Handfestes, an die vielen Gerätschaften, die eigens für Linkshänder angeboten werden. Eine Minderheit, die gestern ihren großen Tag hatte. Ja, es war Weltlinkshändertag, ein viel zu wenig beachtetes Datum, das freilich auch einige Brisanz in sich birgt. Wurde nicht – noch so ein Menschheitswissen – seit jeher vor Menschen mit zwei linken Händen gewarnt? Das soll sogar noch häufiger vorkommen als nur einseitige Linkshändigkeit, unter den Folgen haben wir alle zu leiden: Motoren, die trotz teurer Reparatur das Stottern nicht lassen, Hämmer, die auf Daumen niedersausen, Kristallgläser, die selbst simples Abtrocknen nicht überstehen. Ja, man fragt sich gerade in Berlin angesichts regelmäßig zerbröselnder Glasfassaden, ob wir womöglich auch im Doppel-Linkshändertum unbestrittene Hauptstadt sind.

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