Berlin : Nach Sophias Entführung: Noch immer fehlt ein Phantombild des Täters

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Auch vier Tage, nachdem die neunjährige Sophia Wendt wohlbehalten in ihr Elternhaus zurückgekehrt ist, hat die Polizei noch keine Spur, die auf den Entführer der Marzahner Schülerin deutet. Derzeit konzentriert die Polizei ihre Suche auf die Wohnung, in der das Kind mehrere Tage festgehalten worden sein soll.

Nach einer Beschreibung des Mädchens zeichnete die Polizei einen nicht maßstabgerechten Grundriss der Einzimmer-Wohnung. Es soll sich um eine "Standard-Wohnung" im Plattenbau handeln, an der allerdings bauliche Veränderungen vorgenommen worden sind, sagte ein Polizeisprecher. Vermutlich liegt sie in Marzahn, Hellersdorf oder Hohenschönhausen. Inzwischen wurde von dem Entführer auch ein Phantombild angefertigt, aber noch nicht veröffentlicht: "Es weist noch nicht die für eine Öffentlichkeitsfahndung notwendige Qualität auf", sagte der Polizeisprecher.

Die Wohnung besteht aus einem Eingangsbereich an den das Bad anschließt. Links vom Flur ist eine Durchgangsküche, von der aus es zum Wohn-Schlaf-Bereich geht. An diesen schließt ein schmaler Balkon an. Im Wohn-Schlaf-Bereich stehen laut dieser Zeichnung ein Doppelbett, eine Couch und einen Schrank. Sophia konnte sich an zahlreiche Einzelheiten erinnern; beispielsweise beschrieb sie in der Küche den Standort des Kühlschranks, des Herdes, der Spüle und berichtete auch von einer Sitzbank mit einem runden Tisch, die in der Küche links hinten standen. Im Bad konnte sie sich genau an den Standort von Waschbecken, WC und Waschmaschine erinnern. Manche Einzelheiten seien auf der Zeichnung unerwähnt geblieben, um den Täter nicht zu animieren, Beweise beseite zu schaffen, hieß es.

Bei der 30-köpfigen Sonderkommission "Sophia" sind inzwischen 128 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, die nach und nach abgearbeitet werden. Auch die Suche nach dem Haus, in dem das Mädchen festgehalten wurde, geht weiter. Wie berichtet, hatte die Schülerin die Hauseingangstür ziemlich genau beschrieben. Danach hatte die Tür einen roten Rahmen und einen roten Mittelsteg mit Glaseinsätzen oben und unten. Seit das Kind diese Beschreibung abgab, haben Kriminalbeamte eine "dreistellige Zahl an Häusern mit roten Eingangstüren" überprüft. Bisher allerdings vergeblich.

Nach dem Sophia Wendt am Mittwoch erneut von Kriminalbeamtinnen befragt wurde, liegen der Polizei weitere Details der Entführung vor. Allerdings wollte man dazu gestern nichts sagen. Offenbar sind die Kriminalisten froh, dass die Eltern nun mit der Polizei zusammenarbeiten. Nachdem das Kind am Montag unverletzt frei gelassen worden war, wurde es von Interview zu Interview gereicht und die Ermittler mussten warten. Schließlich suchte der Direktionsleiter den Stiefvater von Sophia Wendt - er ist Polizeibeamter und versieht auf dem Abschnitt 71 seinen Dienst - zu Hause aufund redete mit ihm "Tacheles". Seit dem ist der Medienrummel um Sophia etwas abgeflaut. Damit ist der Schaden, den das Kind durch seine öffentlichen Auskünfte verursachte, aber nicht zu reparieren. Sie hat dabei auch sogenanntes Täterwissen preisgegeben, dass die Kripo lieber für sich behalten hätte, um später einen Verdächtigen überführen zu können.

Bei der Polizei wird von einem "großen Unbehagen" gesprochen, das viele bei dieser rätselhaften Entführung überkommt. Manche Beamte sprechen sogar mehr oder weniger offen davon, dass sie glauben, die Entführung des Kindes könne vorgetäuscht worden sein. Dennoch gehen die Fahnder im Landeskriminalamt davon aus, dass es stimmt, was Sophia ausgesagt hat: "Insgesamt halten wir es für stimmig", meinte ein Beamter. Die Aussage des Kindes habe sich "im Großen und Ganzen durch Ermittlungen und Vernehmungen stabilisiert", hieß es. Allerdings blieb eine Ausfahrt mit dem Kind am Dienstag ohne Erfolg. Mit der Ausfahrt wollte man den Weg herausfinden, den der Entführer genommen hatte, nach dem er das Kind praktisch vor dem Haus seiner Eltern verschleppt hatte.

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