Nach Terrordrohung : Annäherungen an den Islam

CDU-Politiker Dregger fordert von 44 Berliner Imamen ein Bekenntnis gegen Terror. Bischof Dröge sucht bei einem Besuch in der Sehitlik-Moschee den Dialog.

von und Christian Helten
Vis-à-vis. Bischof Markus Dröge (l.) traf Vertreter der Sehitlik-Moschee: Imam Mustafa Aydin (3.v.l.) und Yavus Akgül (4.v.l).
Vis-à-vis. Bischof Markus Dröge (l.) traf Vertreter der Sehitlik-Moschee: Imam Mustafa Aydin (3.v.l.) und Yavus Akgül (4.v.l).Foto: dapd

Burkard Dregger, Mitglied des Berliner CDU-Vorstands, will es angesichts der neuen islamistischen Terrorgefahr ganz genau wissen. In einem offenen Brief hat er 44 Berliner Imame und Moscheevorstände dazu aufgefordert, dem Islamismus öffentlich den Kampf anzusagen. Gerade angesichts der aktuellen Bedrohung durch islamistische Terroristen sei dafür der geeignete Zeitpunkt, schrieb Dregger: „Zeigen Sie den Menschen jetzt, in der Stunde der Gefahr, dass Sie auf der Seite unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen, an der teilzuhaben Sie eingeladen sind und von deren Religionsfreiheit Sie profitieren.“

Dregger sagte dem Tagesspiegel, dass er bei den Bürgern oft Überfremdungsängste feststelle. „Gerade in der jetzigen Krise müssen die Moscheen mit klaren Bekenntnissen deutlich machen, dass sie in ihren Gemeinden keine islamistischen Tendenzen zulassen.“ Wie genau er sich diese Bekenntnisse vorstellt, konnte der CDU-Politiker noch nicht sagen.

Vertreter der Moscheen reagierten verwundert auf den Aufruf Dreggers. „Wir verurteilen seit Jahren immer wieder öffentlich jeglichen islamistischen Terror und alle Tendenzen, die sich gegen die Verfassung wenden“, sagte Izzeldin Hamad, Vorsitzender der Al-Nur-Moschee in Neukölln. Auch Mohammad Dawood Majoka, Sprecher der Khadija-Moschee in Pankow, zeigte sich erstaunt darüber, dass Dregger „wohl nicht mitbekommen“ habe, dass seine Forderungen längst erfüllt würden und man sich selbstverständlich zu Demokratie und Verfassung bekenne. Seine Gemeinde sei aber gerne bereit, ihren Standpunkt bei einem Treffen mit dem CDU-Politiker und Imamen noch einmal zu bekräftigen, sagte Majoka. „Wir würden gerne einen konkreten Vorschlag hören.“

Günter Piening, der Integrationsbeauftragte des Senats, sagte, Dreggers Brief schüre Missverständnisse und werde der Realität nicht gerecht. „Die muslimischen Gemeinden in Berlin haben große Anstrengungen unternommen, sich vom Terrorismus abzugrenzen.“ Es gebe eine „breite Vertrauensbasis und vielfältige Kooperationen“ zwischen den muslimischen Gemeinden und den Sicherheitsbehörden.

Behutsamer sucht Berlins evangelischer Landesbischof Markus Dröge den Dialog mit den Muslimen. Dröge war am Donnerstag bei seinem Besuch im Kirchenkreis Neukölln auch in die Sehitlik-Moschee am Columbiadamm gekommen – die Muslime sind in Nordneukölln deutlich in der Mehrheit gegenüber den evangelischen Christen. Auf Strümpfen ließ er sich zunächst durch das Bethaus führen. Anschließend verschwand er mit Yavuz Akgül, dem Vorstandsvorsitzenden des Moscheevereins, und anderen Moscheevertretern in einem Nebengebäude: Der Dialog zwischen Christen und Muslimen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Draußen ertönte zum Mittagsgebet der Ruf „Allahu akhbar“ aus den Lautsprechern.

Wieder im Hof der Moschee, würdigten Dröge und Akgül einhellig das „offene und freundschaftliche“ Gespräch. „Wir müssen gegen jede Form von Gewalt zusammenstehen – Juden, Christen und Muslime“, sagte Dröge. Er sei auch gekommen, um seine Anteilnahme wegen der Anschläge auf die Moschee auszusprechen. Am vergangenen Freitag hatten unbekannte Täter dort zum vierten Mal Feuer gelegt – und dieses Mal sogar eine Gasflasche in die Flammen gelegt.

Aber natürlich meint Dröge mit „Gewalt“ auch die Angst vor Terroranschlägen. „Wir müssen als Religionsvertreter gemeinsam gegen diese Sache stehen“, versichert Moscheevereinsvorsitzender Akgül. „Gerade in der Zeit der Terrorwarnungen ist der Zusammenhalt und der Dialog mit anderen Religionen wichtig.“

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