Berlin : Nach Trennung Ehefrau ermordet

Junge Türkin wurde in ihrer Wohnung erstochen Mann flüchtete aus Fenster – jetzt sitzt er in Haft

Tanja Buntrock

Offenbar war es die Kränkung darüber, dass sich seine Frau von ihm getrennt hatte, die ihn zum Töten trieb: Am Donnerstag erließ ein Richter Haftbefehl wegen Totschlags gegen einen 41-jährigen Türken, der in Lankwitz seine Frau, 24, erstochen haben soll.

Es war gegen 21.50 Uhr am Mittwoch, als Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus im Kameradenweg Schreie hörten. „Wir sind dann runtergelaufen in die Wohnung im ersten Stock und haben geklingelt“, sagte gestern eine Anwohnerin. „Plötzlich öffnete sich die Tür. Die verletzte Frau fiel meinem Mann direkt in die Arme. Ein Messer steckte ihr im Rücken.“

Das Opfer, Gamze C., sei mit Stichen übersät gewesen – laut einem Ermittler sollen es mehr als 20 gewesen sein. Der mutmaßliche Täter, Metin C., sei aus dem Fenster auf einen Gartentisch gesprungen und dann geflüchtet. Doch da er sich bei dem Sprung aus dem Fenster verletzt hatte, kam er nicht weit: Die Polizei nahm den Verdächtigen kurz nach der Tat in der Nähe der Wohnung fest. Das Opfer starb wenig später in einer Klinik.

Ob es sich um einen sogenannten Ehrenmord handelt, wollte die Polizei offiziell nicht bestätigen. Doch wie ein Ermittler sagte, ist der Hintergrund der Tat offenbar der Trennungsstreit. Die Nachbarn sagen, Gamze C. sei erst vor wenigen Monaten in die Lankwitzer Wohnung gezogen. Ob sie inzwischen schon von ihrem Mann geschieden war, konnte die Polizei gestern nicht sagen. Auch, dass Gamze C. bereits vor der Trennung aus Angst vor ihrem gewalttätigen Mann in ein Frauenhaus geflüchtet sein soll, konnte die Polizei nicht bestätigen.

Im vorigen Jahr hat die Polizei 13 222 Anzeigen von häuslicher Gewalt verzeichnet. Das waren 50 Prozent mehr als noch vor sechs Jahren. Bei den Opfern handelt es sich fast ausschließlich um Frauen. Dies bedeutet laut Polizei jedoch nicht, dass immer mehr Frauen von ihren Partnern geschlagen werden, sondern lediglich, dass das „Dunkelfeld erhellt“ wurde. Das heißt: Derartige Taten werden häufiger gemeldet als früher.

Erst im Juni war eine 37-jährige Pakistanerin einem Mordanschlag ihres Ehemannes knapp entkommen: Mohammed A., 57, war in der Neuen Schönhauser Straße in Mitte mit einem Auto auf seine von ihm getrennt lebende Ehefrau zugerast und überrollte sie. Er flüchtete und ist bislang nicht gefasst worden. Die Frau hatte zuvor Hilfe gesucht und per Gerichtsbeschluss ein Annäherungsverbot erwirkt. Mohammed A. durfte sie weder ansprechen noch anrufen. „Gewalttätige Männer hält so ein Gerichtsbeschluss selten davon ab, die Frauen weiter zu bedrohen“, klagt eine Mitarbeiterin der Beratungsstelle Sozialdienst Katholischer Frauen. Oft gebe es für Frauen deshalb nur die Möglichkeit, nach der Flucht in ein Frauenhaus in eine andere Stadt zu ziehen. „Die Frauen können nach einer Drohung Anzeige erstatten, aber deshalb bekommen sie noch lange keinen Polizeischutz“, sagt die Beraterin. Sie kritisiert, dass es zu lange dauert, bis die Männer für ihre Nachstellungen bestraft werden.

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