Berlin : Nach vier Jahren Bauzeit ist endlich Schluss mit dem Chaos

Klaus Kurpjuweit

Vier Jahre des Durcheinanders und der Unübersichtlichkeit gehen heute offiziell zu Ende, wenn die Bahn die Wiedereröffnung des auch in der Bauzeit nicht geschlossenen Bahnhofes Friedrichstraße feiert. Aus der ehemaligen Grenzstation ist ein Einkaufszentrum mit Gleisanschluss geworden. 220 Millionen Mark hat die Bahn AG dafür ausgegeben. Die Wiedereröffnung wird gleich drei Tage lang gefeiert.

Der Bahnhof ist auch etwas Besonderes. Er war, ist und bleibt eine Station der zwei Welten: Vom 13. August an war der Bahnhof Grenzstation auf Ost-Berliner Gebiet mit einem West- und einem Ostteil.

Jetzt besteht er ebenfalls wieder aus zwei Welten: Oben ist er hui, unten noch pfui. Um auch den Bereich der unterirdischen Nord-Süd-S-Bahn sanieren zu können, fehlten der Bahn 5 bis 10 Millionen Mark. Doch auch hier soll der Bahnhof eines Tages schöner werden, versprach gestern Martin Lepper, im Bahnvorstand zuständig für die Bahnhöfe.

Bleiben werden, und das ist gewollt, die zwei Welten innen und außen. Die Fassade der Station ist so hergestellt oder ergänzt worden, wie sie nach dem ersten Umbau des Bahnhofes zu Beginn der 20er Jahre vorhanden oder geplant war. Der Innenraum dagegen ist völlig neu. Hier dominieren Glas, Edelstahl und Granit. Der Architekt Werner Weinkamm machte aus dem einst fast stockdunklen Bahnhof mit labyrinthartigen Gängen ein helles, übersichtliches Einkaufszentrum. In über 50 Geschäften kann man hier täglich zum Teil zwischen 6 Uhr und 22 Uhr einkaufen, essen oder trinken. 95 Prozent der Flächen seien vermietet, teilte die Bahn mit. Auch für sie ist etwas übrig geblieben: ein Reisezentrum, ein Service-Point und ein S-Bahn-Kundenzentrum. Sogar Fahrpläne, die man hier, wie berichtet, lange vermisste, hängen inzwischen aus. Im Bahnhof Friedrichstraße halten immerhin täglich über 1360 S-Bahnen und 220 Regional-Express-Züge. Fernzüge fahren allerdings ohne Halt durch. Mit 110 000 bis 150 000 Besuchern pro Tag rechnet die Bahn.

Ganz fertig ist der Bahnhof aber immer noch nicht. Um vom Bahnsteig der Stadtbahn zum Nord-Süd-Bahnsteig im Tiefgeschoss zu gelangen, müssen die Fahrgäste noch immer um mehrere Ecken laufen. Die vorgesehenen Rolltreppen für den direkten Weg konnten noch nicht eingebaut werden, weil nach dem strengen EU-Recht aus statischen Gründen hierfür eine Ausnahmegenehmigung erforderlich ist.

An die wechselvolle Geschichte des Bahnhofes erinnert jetzt eine Ausstellung in der Halle und auf Dauer auch eine auf einem Bahnsteig. Zudem soll ein großes Bild des ehemaligen Grenzbahnhofes gezeigt werden. Und auch die Tafel, die an die Ermordung von zwei Jugendlichen in den letzten Kriegstagen durch die SS erinnert, soll wieder an der Fassade angebracht werden. Das Original wurde gestohlen.

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