Nachbarschaftsklage : Kinder zu laut: Kita muss ausziehen

Wegen Kinderlärms muss eine Kita ihren Standort schließen - ein Nachbar hatte geklagt und Recht bekommen. Das Urteil bekräftige das kinderfeindliche Klima in Berlin, sagt Holger Hofmann vom Deutschen Kinderhilfswerk.

Annette Kögel

In Berlin muss jetzt erstmals eine Kita infolge einer Nachbarschaftsklage wegen Kinderlärms ihren Standort schließen: Die Kita Milchzahn wird ihre Räume an der Friedenauer Odenwaldstraße verlassen - der Nachbar, dessen Wohnung an die Räume grenzt, bekam vor dem Landgericht Recht. Nach Auskunft von Kita-Leiterin Renate Kühl sind 34 Kinder und ihre Eltern sowie fünf Erzieherinnen betroffen. Das Landgericht hatte das Urteil des Amtsgerichtes bestätigt, nachdem es sich bei den Räumen der Kita um eine "Fehlnutzung" handele. Demnach dürfe eine Ladenwohnung nicht für einen Kitabetrieb genutzt werden. Dies sei jedoch Kühl zufolge im Mietvertrag vereinbart.

Der Umzug werde 25.000 Euro kosten, die Finanzierung sei noch unklar. "Das Urteil bekräftigt das kinderfeindliche Klima in Berlin", sagte Holger Hofmann vom Deutschen Kinderhilfswerk, "Verkehrslärm wird eher akzeptiert als lautes Spielen." Dabei garantiere die UN-Kinderrechtskonvention das "Recht auf Spiel". Die Lärmschutzverordnung müsse geändert werden. Kinderlärm sei bislang Gewerbelärm gleichgestellt und als schädigender als das Kreischen einer Kreissäge bewertet. Jugendstadträtin Angelika Schöttler (SPD) bedauerte den "heftigen Einschnitt" für die Kita. Auch sie befürwortet eine Änderung des Lärmschutzgesetzes zugunsten der Kinder.

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