Berlin : Nachhilfe nehmen

Stephan Wiehler

Wie ein Vater die Stadt erleben kann

Eltern sind schwer geprüft, das wissen wir längst. Aber jetzt kommt es wohl noch dicker. Stellen Sie sich auf knifflige Fragen ein, etwa von der Sorte wie diese hier: a) Was ist ein Pedell? b) Nennen Sie drei Bestandteile eines vollwertigen Pausenfrühstücks oder c) Skizzieren Sie kurz den korrekten Beschwerdeweg in Schulangelegenheiten Ihres Kindes.

Wenn Ihnen dazu Antworten einfallen wie zum Beispiel a) das Jungenklo, b) Milky Way, Gummibärchen, Kinder-Happy-Hippo und c) den Bildungssenator verklagen – dann heißt es für Sie als Eltern: Setzen, sechs!

Mit dieser Abschlussnote können Sie für Ihr Kind demnächst gleich eine teure Privatschule suchen – wenn es zu dem Pflichtkurs für Väter und Mütter kommt, über den jetzt heftig diskutiert wird, weil Berlins Hauptschüler von Haus aus so ungehobelt daherkommen. Möglicherweise kürzen sie uns wegen elterlichen Versagens das Kindergeld, die Rente, Hartz IV, und wenn Sie keinen deutschen Pass haben, kommen Sie zur Strafe in Abschiebehaft.

Irgendwie stehen wir Eltern plötzlich selbst da wie ein Haufen Rütli-Schüler. Lange dachten wir, wir hätten die verfluchte Schulzeit für immer hinter uns, haben auf die Pauker als „faule Säcke“ geschimpft und weite Bogen um jeden Pausenhof gemacht. Und jetzt zeigt uns eine Hand voll Lausebengels aus Neukölln, dass wir Eltern diejenigen sind, die dringend Nachhilfe brauchen.

Aber sind wir noch beschulbar? Nachdem wir schon die Geburtsvorbereitung, den Stillkurs und die Eltern-Kind-Gruppe geschwänzt haben, ist wahrscheinlich längst Hopfen und Malz verloren. Streng genommen hätten wir wohl gar nicht erst die Genehmigung bekommen dürfen, Kinder in die Welt zu setzen.

Eine Übersicht über Angebote zur Elternbildung gibt es im Internet: www.sfjg.de/down/Entwicklung%20Familienbildung%20und% 20HzE.pdf. Zum Thema Schule erhalten Eltern Informationen unter www.senbjs.berlin.de/schule/informationen_fuer_eltern/thema_informationen_fuer_eltern.asp

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