Nachnutzung : Flughafen Tempelhof begehrt wie nie

Die Zahl der Anfragen von Nutzern nimmt stark zu. Bis zu 30 Anrufe gibt es täglich. Auch für die Modemesse Bread and Butter gibt es bereits viele Buchungen.

Ralf Schönball
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Bewegt die Gemüter: Der Streit um die Schließung des Flughafen Tempelhof hat jetzt zur Gründung einer "Tempelhof-Partei" geführt.Foto: ddp

Der Flughafen Tempelhof ist seit der Stilllegung des Betriebs gefragt wie nie: Bis zu 30 Anrufe gehen täglich beim Verwalter des 284 000 Quadratmeter großen Gebäudekomplexes ein. Clubs und Veranstalter, Vereine und Betriebe wollen Haupthalle und Hangars, Rollfeld und Flughafenrestaurant nutzen. Von einer „hervorragenden Resonanz“ auf seine Berlin-Pläne berichtet auch der Chef der Modemesse Bread and Butter: Die Schau kehrt im Juli von Barcelona nach Berlin zurück und ist die erste Großveranstaltung der neuen Berliner „Entertainment-Location“.

„Schon heute haben sich 300 Marken fest angemeldet“, sagt der Chef der Modemesse Karl-Heinz Müller. Einen Teilnehmerrekord strebe er aber nicht an. Es gehe vielmehr darum, das Niveau der Messe in Berlin anzuheben. Dazu sollen „imageträchtigere Marken“ gewonnen werden, sagte er. Müller kommt gerade aus Amsterdam zurück und berichtet voller Begeisterung von Gesprächen mit den Verantworlichen von Nike und G-Star. Anfragen des Modemultis Ralph Lauren und vom Trendlabel Stone Island lägen auch schon vor.

Bereits Monate bevor die Bread and Butter öffnet, ist die Modebranche in Tempelhof gelandet: Das mexikanische Label Andre Badi nutzte das Areal kürzlich für Fotoshootings. Bei der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (Bim), die für die Verwaltung des Geländes zuständig ist, berichtet man auch von Dreharbeiten für die TV-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ auf dem Airport.

Einige der täglichen Anfragen, so Bim-Sprecherin Katja Potzies, beträfen die Nutzung von Lagerflächen oder Garagen. Im Gespräch sei der Airport ferner als Standort für eine Messe über regenerative Energien sowie für eine Veranstaltung rund um das Thema „Freeclimbing“.

Dagegen ist es ungewiss, ob der Bundespresseball vom Hotel Intercontinental nach Tempelhof umzieht. Von einem unterschriftsreifen Mietvertrag ist noch keine Rede – weder bei der Bim noch bei den Veranstaltern des Balls. Ausgeschlossen wurde die Verlegung der Veranstaltung schon in diesem Jahr. Vom Tisch sind vorerst auch Pläne für ein Berliner „Woodstock“-Festival auf dem Areal.

Große Lücken klaffen aber nicht mehr im Veranstaltungsplan: Zwei Wochen nach der Bread and Butter findet – ebenfalls im Juli – das weltgrößte Festival der Musikfeuerwerke „Pyromusikale“ statt. Im September holen die Läufer des Berlin-Marathons Startnummern ab und schlendern über die Sportmesse „Vital“. Im selben Monat findet das Internationale Reit- und Springturnier („Hauptstadtturnier“) auf dem Gelände statt – und im November die Marathon-Staffel. Zwischen Weihnachten und Neujahr möchte der Chaos Computer Club im Flughafen seinen jährlichen Kongress mit 2000 Teilnehmern veranstalten. Verhandlungen dazu laufen.

Einen ordentlichen Ertrag bringen auch die täglichen Führungen, allein im Dezember 15 000 Euro. Die Einnahmen aus Führungen, Veranstaltungen und Vermietung werden aber erst in Jahren die laufenden Kosten des Baudenkmals decken. Eine zurzeit laufende Ausschreibung der technischen Bewirtschaftung des Areals soll aber helfen, die Kosten zu senken.

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