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Nachrufe : Hanne Zoege von Manteuffel (Geb. 1925)

01.03.2013 00:00 Uhrvon

Ein strenges Regiment, dem sie sich selbst zu allererst unterwarf

Sie wurde neben ihren beiden Söhnen beigesetzt. Den Bibelvers hatte sie selbst ausgewählt „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn. Er wird’s wohl machen.“

Ihre Erfahrung war eine andere. Wenn, dann musste sie schon selbst dafür sorgen, dass alles gut ging. Auf den lieben Gott war nicht immer Verlass.

Die meisten Mitschüler ihres Jahrgangs starben im Krieg. Sie selbst wurde zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und musste Fabrikeinsatz in der Rüstungsindustrie ableisten.

Nach dem Krieg begann sie, Kunstgeschichte in Freiburg zu studieren, sie heiratete ihren Kommilitonen, den aus einer baltischen Familie stammenden Claus Zoege von Manteuffel, und brach ihre Doktorarbeit ab, um die Familie mit ihrer Arbeit am Fließband über die Runden zu bringen.

Das Leben schien lichter zu werden. Sie gebar drei Kinder, ihr Mann fand eine Anstellung in den Staatlichen Museen zu Berlin. Die Berliner Baltenbälle, die sie im Schlosshotel im Grunewald organisierte, waren in aller Munde.

Die Familie baute ein Haus, das ihr entsprach, ein Schüler von Hans Scharoun, Wil Dambitsch, entwarf es im sachlich unprätentiösen Stil. Aber das Schicksal meinte es nicht wirklich gut.

Ihr Erstgeborener starb 1977 durch Freitod, der zweite Sohn 1987 an Leukämie. Ihr Mann ließ sich scheiden. Auch daran zerbrach sie nicht.

Wer anderen helfen will, darf nicht zuerst an sich selbst denken. Sie begann ihre Arbeit für die Flüchtlingsstarthilfe im Durchgangslager Marienfelde. Da galt es nicht nur, willkommen zu heißen, sondern den Flüchtlingen aus der DDR auch einen neuen Weg zu weisen. Das tat sie, dafür fand sie auch immer Helfer.

„Wer rumsteht, wird angestellt.“ Ihre Rekrutierungspraxis war ebenso resolut wie vereinnahmend. Daraus machte sie gar keinen Hehl. Das war ihr Charme: Unverblümtheit, gewürzt mit einer Prise trockenem Humor. Sie führte ein strenges Regiment, dem sie sich zuallererst selbst unterwarf.

Als die Mauer fiel und sie eine neue Aufgabe suchte, wurde sie in den geschäftsführenden Vorstand der „Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten“ berufen. Die Adresskartei verwalten, Mitgliedsbeiträge kontrollieren, Führungen organisieren, Veranstaltungen, Reisen. Und vor allem, fast schon Verlorenes retten. Nicht zuletzt dank ihrer wurde Schloss Paretz wieder zum Leben erweckt.

„Die Sonne funkelte wie gebadet“, schwärmte Fontane, „und als die Läden des Schlosses sich wieder öffneten, schoss das Licht hinein und lief wie ein Blitz durch alle Räume. Das Dunstige und Trübselige, das sonst in solchen Räumen zu Hause ist, es war wie ausgefegt; Licht macht wohnlich, alles schien bereit; es war, als solle das schöne königliche Paar, das hier vor siebenzig Jahren lebte und lachte, jeden Augenblick wieder seinen Einzug halten. Und wenn es so wäre, sie würden die Stätte ihres Glücks wenig verändert finden. Da sind noch dieselben Tapeten und Wandgemälde, dieselben kissenreichen, mit Zitz überzogenen Sofas und Ottomanen, dieselben gemalten Papageien und Fasanen, dieselben Büsten und Bilder. Alles Leben und Licht. Das Einzelne fällt, das Ganze bleibt.“

Schloss Paretz war ihr Sehnsuchtsort. Sie feierte ihren 80. und 85. Geburtstag dort, es war ihr, als sei dort das Leben zu ihr zurückgekehrt.

Augenzwinkernd zeichnete sie sich und einen ihrer Mitstreiter für den Erhalt der Baudenkmäler abwechselnd mit einem Orden aus. Der hing später dann neben ihrem Sterbebett, ein sehr prunkvoller Orden, ein echter Karnevalsorden nämlich. Das echte Bundesverdienstkreuz hatte sie sowieso schon.

Sie verlor ein Bein, wurde bettlägrig, aber nicht übellaunig. Die Familie der Tochter mit den beiden Enkelinnen tröstete über manchen Verlust hinweg. An ihrem letzten Geburtstag führte sie ihren Freunden den Film „Sinfonie einer Großstadt“ vor. Sie liebte die Stadt, Berlin. Ihre Beerdigung hätte sie am liebsten vom Sterbebett aus selbst organisiert, etwas aus der Hand zu geben, fiel ihr schwer. Sie ließ den Pfarrer rufen, instruierte ihn, freute sich über seinen Zuspruch und beschied ihm trocken zum Abschied: „Kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit dem lieben Gott!“ Gregor Eisenhauer

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