Berlin : Nächster Halt: Zoo

Bahn-Konkurrent Connex will Fernzüge auch am Bahnhof in der West-City halten lassen

Rainer W. During

Die Connex-Gruppe will im kommenden Frühjahr den Verkehr von Berlin nach Hamburg und Köln aufnehmen und ihre Züge auch im Bahnhof Zoo halten lassen. Bisher verweigert die Deutsche Bahn dem Konkurrenten allerdings die notwendigen Trassenrechte. Die DB will die Station, wie berichtet, trotz massiver Proteste mit Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs Ende Mai vom Fernverkehrsnetz abkoppeln.

Die Connex-Tochter Nord-Ostsee-Bahn übernimmt im Dezember die Nahverkehrsstrecke zwischen Sylt und Hamburg. Sie will im Frühjahr dann täglich drei Züge weiter nach Berlin und zurück fahren lassen. Außerdem hat man Streckenrechte für eine tägliche Verbindung zwischen Berlin und Köln beantragt, so Firmensprecher Andreas Winter. Das sei schon lange vor der Präsentation des Bahnkonzeptes geschehen. Die Entscheidung der DB gegen den Bahnhof Zoo verbessere aber die Marktchancen von Connex. Vorgesehen sind weitere Halte am Bahnhof Friedrichstraße und am Ostbahnhof. Eventuell soll es eine Weiterführung zum Bahnhof Lichtenberg geben, über den bereits die Connex-Strecken Gera–Rostock und Dresden–Berlin–Stralsund verlaufen. Bisher hat die Deutsche Bahn laut Connex allerdings erklärt, dass es auf den benötigten Trassen keine freien Kapazitäten gibt. Man hoffe aber noch auf eine einvernehmliche Lösung, sagte Winter. Allerdings hat das Kölner Verwaltungsgericht erst kürzlich in erster Instanz mehrere Widerspruchsbescheide des Eisenbahnbundesamtes gegen die DB ausgesetzt. Hier ging es um die Nutzung der Trasse Sylt-Hamburg und des Hamburger Hauptbahnhofes durch Connex.

„Wir begrüßen jede Idee, die den Bahnhof Zoo stärkt“, so Manuela Damianakis von der Stadtentwicklungsverwaltung. Der Verkehrsexperte der CDU-Fraktion, Alexander Kaczmarek, warf der Deutschen Bahn eine „Marktbeherrschungs- und Monopolstrategie“ vor. „Es gibt Trassen in Hülle und Fülle.“ Wenn die DB Connex den Zugang verweigere, sei das ein Fall für die Aufsichtsbehörden. Claudia Hämmerling ( Grüne) sprach von „Schutzbehauptungen“ der Bahn und forderte eine Überprüfung der tatsächlichen Trassenbelegung. Wenn die obendrein noch preiswerteren Connex-Züge über Zoo verkehren, werde die DB „viele Berliner Kunden verlieren“.

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