• Nächster Start zum Mars am 27. April Aufstehen, wegtreten! Mission immobile ist vorbei

Berlin : Nächster Start zum Mars am 27. April Aufstehen, wegtreten! Mission immobile ist vorbei

„Terrestrische Astronauten“ durften Krankenhausbett verlassen

Stefan Jacobs

Die Anreise zum Mars dauert etwa ein Jahr. Ohne Training würden sich Muskeln und Knochen in der Schwerelosigkeit zurückbilden. Dagegen sollen Trainingsprogramme entwickelt werden, die auch Osteoporose-Kranken helfen. Die Forschung ist noch nicht vorbei: Die zweite Liege-Staffel startet am 27. April. Insgesamt sind fünf Staffeln mit je vier Probanden geplant. obs

Informationen und Bewerbung:

www.medizin.fu-berlin.de/zmk

Marten Strübing hat Spaghettibeine und läuft so wackelig, als käme er gerade aus der Kneipe. Dabei war er dort schon acht Wochen nicht mehr. Er war überhaupt acht Wochen nirgends mehr. Außer in seinem Bett im siebten Stock des Steglitzer Universitätsklinikums Benjamin Franklin. Strübing ist einer von vier Männern, die sich im Dienste der Marsforschung hingelegt haben. Am vergangenen Wochenende war Schluss. Vorsichtig wurden sie in die Senkrechte gebracht, durften erste Schritte versuchen.

Die vier „terrestrischen Astronauten“ sind um die 30 Jahre alt und waren kerngesund, als sie sich ins Bett legten. 5000 Euro bekommen sie dafür. Ein internationales Team aus Medizinern und Raumfahrtforschern hat an ihnen studiert, wie sich Muskeln und Knochen in der Schwerelosigkeit zurückbilden und wie sich der Schwund aufhalten lässt. Weil Schwerelosigkeit auf der Erde nicht zu haben ist, wurde ihnen strenge Bettruhe verordnet. Die Probanden im einen Doppelzimmer mussten zwei Mal täglich fünf Minuten lang ihre Muskeln trainieren, die anderen beiden lagen einfach da und ließen regungslos die Wissenschaftler an sich vorüberziehen.

Marten Strübing gehörte zur zweiten Gruppe. So hatte das Los entschieden. „Darüber, dass ich nicht in die Trainingsgruppe gekommen bin, habe ich mich die ganze Zeit geärgert“, sagt er. Sein Zimmergenosse hat sich auch geärgert, denn der ist außerdem noch dicker geworden. Etwa eine Stunde hat es gedauert, bis Strübing wieder stehen konnte: Die Wissenschaftler haben seine Matratze langsam aufgerichtet. Sein Gleichgewichtssinn hat noch einigermaßen funktioniert, aber die Beine taten ihm nach den ersten Stehversuchen so weh, dass er sich in den Rollstuhl setzte. Jetzt kann er schon wieder ohne Krücken laufen. Bei seiner Entlassung geben ihm die Wissenschaftler eine Anleitung zur Rehabilitation mit, schon am Sonnabend muss er zur Nachuntersuchung. „Als Erstes mache ich mir einen netten Abend mit meiner Freundin“, kündigt er an. In den vergangenen acht Wochen hatten die Bettlägerigen nur per Telefon und E-Mail Kontakt zu ihren Freunden. „Man lernt das Leben mehr zu schätzen“, resümiert Strübing. „Im Stehen duschen, im Sitzen aufs Klo, sowas halt.“

Auf die Frage, ob ihnen etwas fehlen wird, schweigen alle vier Probanden. „Sowas macht man nur einmal“, sagt einer. Gelitten haben sie vor allem, wenn Freunde aus dem Café anriefen und „nur mal hören“ wollten, wie es so gehe. Dann wären sie beinahe aufgestanden und gegangen.

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