Berlin : Nagetiere: Biber bibbern vor Fischers Fritze

Rainer W. During

Vor wenigen Tagen entdeckte Eckhard Laube in einer Fischreuse im Tegeler See einen toten Biber - leider kein Einzelfall. Lange Zeit galten die streng geschützten Nager in Berlin als ausgestorben. Jetzt kehren sie in den städtischen Raum zurück, doch lauern hier neue Gefahren durch die Berufsfischerei. Dort steht man Schutzmaßnahmen wegen befürchteter Ertragsminderungen skeptisch gegenüber. Ein Konflikt, der sich bis in die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hineinzieht, denn dort ist sowohl die Naturschutzbehörde als auch das Fischereiamt angesiedelt.

Wegen des Felles, der Verwendung als Fastennahrung (kirchlich waren die Wassertiere als "Fisch" eingestuft) und dem als Heilmittel geltenden Drüsensekret "Bibergeil" wurden die größten Nagetiere Europas Mitte des 19. Jahrhunderts im Berliner Raum ausgerottet. Erst jetzt haben sich die oft mehr als einen Meter langen Biber, von Norden kommend, wieder bis in die Nähe der Spandauer Zitadelle ausgebreitet. Gerade auch zwischen den Inseln des Tegeler Sees finden sie ideale Lebensbedingungen.

Man hofft, dass die Nager bald auch wieder im Bereich der Unterhavel heimisch werden, so der Biologe Carsten Kallasch. Er hat für die Senatsverwaltung das Lebensraumpotenzial von Bibern und Ottern in Berlin untersucht. Der BUND plant ferner eine Wiederansiedlung im Naturschutzgebiet Gosen/Seddinsee am Südostrand der Stadt, berichtet Klemens Steiof von der Naturschutzbehörde. Die ebenso wie die Fischotter streng geschützten Pflanzenfresser können mit ihren kräftigen Nagezähnen auch starke Bäume umlegen, bauen als Wohnung Erdhöhlen im Uferbereich oder die charakteristischen Biberburgen.

Bereits zwei Biber und ein Fischotter wurden in den letzten Monaten tot in Reusen gefunden. So genannte Otterkreuze - Schutzgitter, die den Zugang verkleinern - seien bisher in Berlin nicht vorgeschrieben, weil die Biber hier amtlich überhaupt noch nicht wieder existieren, habe man ihm beim Fischereiamt erklärt, empört sich Eckhard Laube. "Ich halte das für skandalös", sagt der Naturfreund und fordert Sofortmaßnahmen. Auch spezielle Reusen, die den Säugetieren ein Entkommen nach oben ermöglichen, stoßen bei den Fischern auf Ablehnung, weil sie umständlicher zu handhaben sind, bedauert Klemens Steiof.

Fischereiamtsleiter Ulrich Grosch konnte sich bisher nicht vorstellen, dass Biber in die meist tief liegenden Reusen gelangen. Otternkreuze gibt es nach seinen Angaben bisher nur in Hessen und in Brandenburg. Er habe dem Fischer "gut zugeredet", ein Kreuz einzubauen oder die betreffende Reuse wegzunehmen. Mit der neuen Fischereiordnung, die voraussichtlich im November in Kraft treten wird, sollen die Schutzgitter dann auch für Berlin vorgeschrieben werden. 30 Berufsfischer gibt es nach Angaben von Grosch in Berlin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben