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Nahverkehr : Wowereit mahnt Einigung im "Ticket-Streit" an

26.10.2012 18:25 Uhr
Am Automaten erhält man - noch - Tickets, die für U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse und S-Bahnen genutzt werden können.Bild vergrößern
Am Automaten erhält man - noch - Tickets, die für U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse und S-Bahnen genutzt werden können. - Foto: dapd

Klaus Wowereit hat sich in den Streit um die Verteilung der Fahrgeldeinnahmen zwischen BVG und VBB eingeschaltet und eine Einigung gefordert. Doch die BVG erhält unerwartete Unterstützung vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen.

Der sogenannte Ticket-Streit innerhalb des regionalen Nahverkehrs dauert an. Während Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Freitag eine Einigung anmahnte, warf der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) fahrlässiges Handeln vor. Hintergrund ist die geplante Neuverteilung der Fahrgeldeinnahmen ab Jahresende.

Die beteiligten Bahnunternehmen seien aufgefordert, sich an einen Tisch zu setzen und zu einem fairen Ausgleich zu kommen, sagte Wowereit dem Berliner Radiosender 104,6. Getrennte Tickets wolle niemand haben.

Es gehe um eine gerechte Einnahmenaufteilung. Dabei müssten auch die Interessen der Berliner Verkehrsbetriebe berücksichtigt werden. Er vertraue darauf, dass es auf dem Verhandlungswege „vernünftige Ergebnisse“ gebe, ohne dass die Fahrgäste darunter leiden.

Auch der VDV positionierte sich an der Seite der Verkehrsbetriebe (BVG). Sie seien Betroffene dieser „denkwürdigen Posse“, sagte Werner Faber, Geschäftsführer der zuständigen VDV-Landesgruppe Ost.

Die Verantwortung liege offenbar beim VBB, der durch eine „unüberlegte Veränderung der Geschäftsgrundlage“ die aktuelle Situation herbeigeführt habe. Der VBB versuche, sich mit der neuen Vertragsgestaltung mehr Geld für die Regionalverkehre aus dem „Einnahmeaufteilungstopf“ zu sichern. VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz wies die Vorwürfe als „großen Quatsch“ zurück.

Es geht um einen seit zehn Jahren gültigen Verteilungsvertrag innerhalb des VBB. Der Kontrakt umfasst pro Jahr ein Gesamtvolumen von 695 Millionen Euro. Der VBB schüttet davon 14 Millionen in der Mark aus. Den Rest des Gesamtvolumens erhielten für Berlin bislang S-Bahn, BVG und DB Regio en bloc und verteilten ihn anteilig nach gefahrenen Kilometern und beförderten Fahrgästen. Grundlage war ein „Trilateraler Vertrag“ aus dem Jahr 2004.

Die Neuverhandlung dieses Verteilungsvertrages hat vor allem eine Ursache: Nach der Neuausschreibung des Berliner Stadtbahnnetzes ist ab Dezember mit dem Unternehmen ODEG ein vierter Anbieter im Spiel.
Zugleich änderte sich auch der Verteilungsmodus aus den Ticketeinnahmen. Die Erlöse werden künftig in Gänze über den VBB verteilt - an die Anbieter in Brandenburg und in Berlin. Inzwischen haben S-Bahn und DB Regio den alten Kontrakt gekündigt. Die BVG reichte daraufhin kürzlich eine Feststellungsklage zum Vertrag ein. Sie fürchten wegen der geänderten Verteilung ein Minus von 34 Millionen Euro pro Jahr.

VDV-Ost-Chef Faber sprach am Freitag von einem „Umschichten auf die Länder - insbesondere nach Brandenburg“. Würden dem sowieso schon klammen Land Berlin auf diese Weise Ticketeinnahmen entzogen, zahle am Ende der Berliner Bürger die Zeche. Eine Lösung könne nur die Beibehaltung der bisherigen Regelungen sein. (dapd)

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