• Namen für die Hochhäuser am Zoo: Wie Zoofenster und Upper West noch heißen könnten

Namen für die Hochhäuser am Zoo : Wie Zoofenster und Upper West noch heißen könnten

Die Leser sind kreativ bei der Namenssuche. Die Geschichte zeigt, dass auch kleine Scherze groß werden können - wie beim Ausdruck "bis in die Puppen"

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Wer hat noch nicht? Bisher heißen diese beiden Hochhäuser nur "Upper West" und "Zoofenster". Noch haben sie keine Spitznamen.
Wer hat noch nicht? Bisher heißen diese beiden Hochhäuser nur "Upper West" und "Zoofenster". Noch haben sie keine Spitznamen.Foto: Cay Dobberke

Es wird wohl irgendwas mit Finger oder Zahn – sofern es überhaupt was wird mit Spitznamen für die beiden Hochhäuser am Breitscheidplatz, die offiziell ja Zoofenster und Upper West heißen. Wobei man Letzteres besser nicht ins Deutsche übersetzen sollte. Dann vielleicht doch lieber einen Spitznamen – zumal die Resonanz in unserer Leserschaft beachtlich war, nachdem hier am Freitag zum Kreativwettbewerb aufgerufen worden war.

Leserin Nathalie Fischer hat gleich Familienrat gehalten – und schlägt Twinzies, Zoobis, Twoers (two towers) sowie „die zwei Ladys der City West“ vor. An Ladys dachte wohl auch Wolfgang Behrendt: „City Busen“ lautet sein Tipp. Auch Tim Zuber hat Ladys im Sinn – aber er denkt an was anderes: „Claire und Marlene“ fände er passend – in Anlehnung an die berühmten Berliner Künstlerinnen, die Waldoff und die Dietrich, deren Karrieren im alten Westen begannen und die sich nicht nur politisch, sondern auch tatsächlich – auf der Bühne – nahestanden. Dass Waldoff auf Berliner-Schnauzisch wie Waldorf (Astoria) klingt, kommt als phonetische Eselsbrücke noch hinzu.

Da wir gerade bei Tieren sind: Michael Rohrmann schlägt „Plisch und Plum“ vor und zitiert dazu deren Schöpfer Wilhelm Busch – quasi als persönliche Anmerkung: „Wozu“ – lauten seine Worte – „Wozu nützt mir diese Sorte? Macht sie mir vielleicht Pläsier? Einfach nein! erwidr’ ich mir. Wenn mir aber was nicht lieb, Weg damit! ist mein Prinzip.“

Für die Viktoria auf der Siegessäule hat sich der Ausdruck "Goldelse" eingebürgert.
Für die Viktoria auf der Siegessäule hat sich der Ausdruck "Goldelse" eingebürgert.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Der Zug für „Weg damit“ ist natürlich so abgefahren wie der letzte ICE am Bahnhof Zoo, aber vor allem im Online-Leserforum gibt’s wieder viel Genörgel über die beiden Türme. So folgt „Doppelfehler“ auf „Doppelspitze“. „Emporkömmlinge“ nennt sie ein User in Anspielung auf ihr teures Innenleben, „Tourimitentürme“ ein anderer. „Taschenlampe und Termitentempel“ ist ebenfalls im Angebot – und beim Blick auf den voll verglasten Abschluss des Zoofensters recht plausibel. Außerdem im Angebot: Raffzahn & Piefke sowie Latte & Macchiato (weil das eine ohne das andere nicht jugendfrei wäre). Maximal kindgerecht dagegen: „Rapunzels Albtraum“. Ja, bevor sie 118 Meter schaffen, sind die Haare längst grau; vom Kämmen nicht zu reden.

Womit wir bei den Zähnen und den Fingern wären: „Stiftzähne“, schlägt Heinrich Diermann vor, aber da fragen die studentischen Hilfskräfte nur: Wattnditte? „Zeigefinger“, rät Birgit Neusch fürs Zoofenster. Und Heiner Beisenherz fragt für dasselbe Gebäude: Wie wär’s mit „Stinkefinger?“ Hm – aber wessen? Teneriffa hat den „Zeigefinger Gottes“ und Berlin den „Stinkefinger Stimmanns“ oder wie?

Die Kongresshalle in Tiergarten wird gelegentlich "Schwangere Auster" genannt, aber populär ist dieser Scherzname nicht.
Die Kongresshalle in Tiergarten wird gelegentlich "Schwangere Auster" genannt, aber populär ist dieser Scherzname nicht.Foto: dpa

Wollen wir all das überhaupt? Noch mehr sprachlichen Wildwuchs hinter Unkräutern wie dem Telespargel und Touristenführergewächsen wie der schwangeren Auster? Quatsch mit Soße!, sagen die einen. „Berolinismus“, sagt dagegen Wikipedia auf einer Seite mit vielen Aha-Effekten. Die reichen von der „Beamtenlaufbahn“ für den oberen Steg über die Spree im Band des Bundes über den Wasserklops am Breitscheidplatz bis zum „Zirkus Karajani“, dessen Nachnachfolgedirektor Simon Rattle auch schon fast auf dem Weg in die Geschichtsbücher ist. Als Durchschnittsmensch schafft man es dorthin kaum als Randnotiz. Aber auch die können wachsen, wie „die Puppen“ beweisen: Im 18. Jahrhundert waren damit Knobelsdorffs Götterskulpturen im Tiergarten gemeint, im 19. die Herrscherdenkmale ebenda, und jetzt, im 21. Jahrhundert, zieht sich, was sich lange hinzieht, „bis in die Puppen“ – und das weit über Berlin hinaus.

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