Berlin : Nationalfeiertag: Der "Marktplatz Deutschland" wird für vier Tage geöffnet

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Drucktechnisch bleibt die Entscheidung für die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold fragwürdig. Die oberen beiden Farben der deutschen Trikolore, die im letzten Jahrzehnt erheblich an Popularität gewonnen hat, bereiten keine Mühe, das Gold aber ist zwar möglich, aber meist zu teuer, und so bleibt eben die Verlegenheitslösung, da graphische Surrogat Gelb. Zugegeben, eine kleine ästhetische Abschweifung, aber das Plakat zu "Deutschlands Fest", das vom 30. September bis 3. Oktober begangen wird, legt solche Überlegungen nun mal nahe: Als Untergrund eine schwarze Fläche, darauf als dominierendes Element der Reichstag in Rot und Gelb, in doppelter Ausführung, worin man einen dezenten Hinweis auf den bei solchen Festen üblichen Massenkonsum geistiger Getränke vermuten darf, aber nicht muss.

Die Franzosen beispielsweise haben nicht dieses Farbproblem, sie feieren auch ganz anders als die Deutschen, stellen sich bei ihrem Nationalfeiertag nicht die typisch deutsche Frage, ob es nicht ein bisschen leiser doch angemessener sei. So sinnierte jedenfalls Volker Hassemer, oberster Partner von Berlin über die Charaktere der Völker, als er sich gestern mit einer Handvoll Verbündeter daran machte, das Programm der viertägigen Nationaltagsfeierei vorzustellen.

Auch wer nie auf die Idee käme, dieses Festival der Deutschen aufzusuchen, wird davon doch berührt: An allen vier Tagen bleibt das Brandenburger Tor zu. Dort, auf dem Pariser Platz, wird die zentrale Volksfestbühne stehen, auf der an allen vier Tagen vom Nachmittag bis in den Abend Programm geboten wird, unter anderem mit dem Helga-Hahnemann-Double Marika Born, mit Samajona und Jambros, Lost in Vibes oder auch Ballermann-Hits mit Möhre und Sound Convoy. "Marktplatz Deutschland" heißt dieses Festsegment, auch die 16 Bundesländer stellen sich dort mit Spezialitäten vor.

Am 2. Oktober weitet sich das Fest auf den Platz der Republik aus: "Berlin musiziert", und zwar ab 18 Uhr, moderiert von Michaela Merten und Ulli Zelle. Eingeleitet wird das stundenlange Musizieren vom Landesjugendorchester unter Kent Nagano, der später noch einmal fürs Deutsche Symphonie-Orchester Berlin seinen Stab schwingt. Kurz nach Mitternacht, nach Percussion-Gruppe, Steel Band, einem Türkenensemble oder auch einem Blasorchester aus Nienburg an der Weser, gipfelt der Abend im gemeinsamen Schmettern der Europa-Hymne "Freude, schöner Götterfunken".

Das ZDF schaltet sich am 3. Oktober, 15.40 bis 17.25 Uhr, dazu und berichtet von der Bühne vor dem Reichstag. Zum Programm gehört nur, was auf draufsteht: "Made in Germany". Darbietungen etwa von Udo Jürgens ("Lieb Vaterland"), den Prinzen ("Deutschland"), Ayman, Uwe Ochsenknecht oder Oli P. Auch Promis wie Walter Scheel, Frank Farian, Marcus Wasmeier oder Dieter Wedel kommen und haben was zu sagen.

Erstmals gibt es am 3. Oktober, 17 Uhr, auch einen ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom mit Georg Kardinal Sterzinsky und Bischof Wolfgang Huber. Und auch an einen künstlerischen Fahnenwettbewerb hat man gedacht: 28 Berliner Künstler, darunter Horst Bartning, Hans-Hendrik Grimmling und Hella Santarossa, wollen Fahnen zum Thema "Visionen zum Tag der deutschen Einheit" gestalten, das Ergebnis flattert dann auf der Straße des 17. Juni und darf per Abstimmung bewertet werden. Vielleicht findet sich ja ein Lösung für Gold-Gelb.

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