Berlin : Neiddebatte schon vor dem Start

Bei der Gemeinschaftsschule sind viele Fragen ungeklärt. Aber es gibt erste Bewerber – und Kritik an der Ausstattung des Pilotprojekts

Susanne Vieth-Entus

Alle Welt redet über die Gemeinschaftsschulen – aber kaum einer weiß bisher, wie das Pilotprojekt aussehen soll. Selbst in Grundfragen gibt es noch keine Klarheit. Das gilt etwa für die Verwendung und Aufteilung des 22-Millionen-Euro- Fonds, den SPD und PDS zur Verfügung stellen wollen. Das gilt auch für den Starttermin des Projekts und für die Frage, nach welchen Kriterien unter den Bewerbern ausgewählt werden soll.

Keinen Zweifel gibt es allerdings daran, dass es Bewerber geben wird. Nach einigen staatlichen Schulen hat inzwischen auch die erste Privatschule ihr Interesse bekundet: Die Freie Montessori Schule Köpenick teilte jetzt mit, dass sie Gemeinschaftsschule werden wolle und auf die Förderung durch den Senat hoffe.

Große Hoffnungen setzt auch das Schöneberger Robert-Blum-Gymnasium auf das Pilotprojekt. Es sucht eine Grundschule, die mit ihm kooperieren will, so dass die Kinder praktisch von der ersten bis zur 10. oder 13. Klasse zusammenbleiben könnten. Dies würde bedeuten, dass das Probehalbjahr abgeschafft wird. Allerdings stellt sich die Frage, ob ein Gymnasium ohne Probehalbjahr überhaupt noch ein Gymnasium ist – im Sinne des Schulgesetzes. Diese Frage konnte gestern kein Bildungsfachmann der Regierungskoalition beantworten.

Ähnlich unscharf sind die Aussagen zu dem Geldsegen, auf den die Pilotschulen hoffen. Einige PDS-Vertreter gingen zunächst davon aus, dass die Pilotschulen die Ausstattung wie die Fritz-Karsen–Gesamtschule erhalten, die als Vorbild gilt, und zusätzlich noch von dem 22-Millionen-Fonds profitieren können. Dem trat gestern aber PDS-Sprecherin Kathi Seefeld entgegen. Sie geht jetzt davon aus, dass es über den Fonds hinaus kein Extrageld für die Pilotschulen geben wird.

Dennoch dürfte sich an dem Fonds künftig manche Diskussion entzünden. Solange hunderte Schulen nicht einmal wissen, wie sie ihren Vertretungsunterricht sichern sollen, wird es einigen Neid erwecken, wenn die Pilotschulen nicht nur mehr Lehrer und Sozialarbeiter, sondern auch noch Kantinen erhalten. Zwar wurde in der Koalitionsvereinbarung ausgehandelt, dass die Schulen künftig Mittel für den Vertretungsunterricht bekommen sollen. Aber nicht gesagt wurde, wo das Geld herkommen und ab wann es zur Verfügung stehen soll.

Ähnliches gilt für den Starttermin in Sachen „Gemeinschaftsschule“. Der Regierende Bürgermeister geht zwar davon aus, dass es schon 2007 losgehen könnte. Allerdings ist der entsprechende Fonds noch nicht im Haushalt 2007 eingeplant. Landeselternsprecher André Schindler kritisierte gestern, dass die Koalition „konzeptionslose Reformvorschläge wie die Einheits- oder Gemeinschaftsschule“ vorlege, anstatt die „enormen Qualitätsprobleme“ zu lösen, die vor allem in der Grundschule existierten.

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