Neubauten an Friedrichswerderscher Kirche : Schinkels neue Nachbarn

Die Friedrichswerdersche Kirche wird zugebaut. Bund und Land streiten nur noch, ob mit teuren Wohnungen oder Büros.

Matthias Oloew

Die Tage, in denen Schinkels Friedrichswerdersche Kirche in Mitte noch freisteht, sind gezählt. Seit Dienstag wird die Attrappe der Bauakademie aufgebaut. Doch bald werden auch reale Gebäude den Blick auf den neogotischen Ziegelsteinbau verstellen. Die Projektentwicklungsgesellschaft KapHag hat mit der Vermarktung von Büros und Wohnungen in der Falkoniergasse begonnen. Und auch auf der anderen Seite der Kirche werden die Vorbereitungen für Neubauten geschaffen. Das Hauptstadtreferat der Bauverwaltung entwickelt derzeit ein städtebauliches Konzept für die Fläche zwischen der Kommandantur und der Kirche – und steuert auf einen Konflikt mit dem Bund zu. Denn der will als Grundstückseigentümer das Land möglichst gewinnbringend verkaufen. Berlin möchte in den „Schinkel-Höfen“ aber vor allem Wohnungen sehen. Das würde den Grundstückspreis merklich drücken.

„Wir wollen das Grundstück ertragsmaximal verwerten“, sagt Manfred Reuß von der Oberfinanzdirektion (OFD), die die Bundesgrundstücke verwaltet. „Wir stellen uns kleinteiliges Wohnen vor“, hält Annalie Schoen von der Bauverwaltung dagegen. Die neuen Häuser am Spreeufer sollen sich getreu des Konzepts von Senatsbaudirektor Stimmann in Größe und Höhe an den historischen Vorbildern orientieren. „Hier standen früher Häuser mit prachtvollen Fassaden zum Spreekanal und dem Schinkelplatz“, sagt Annalie Schoen, „viele Wohnungen, aber auch ein Hotel und eine Bank waren dort untergebracht.“

Der Bund kann sich an der Stelle, an der einst der riesige Büro-Riegel mit dem DDR-Außenministerium stand, auch einen reinen Bürokomplex vorstellen, der sich um vier Höfe gruppiert. Dafür finde man derzeit keine Mieter oder gar Käufer, heißt es dagegen in der Senatsverwaltung. Dass dies stimmt, weiß auch die OFD, denn sie bleibt in direkter Nachbarschaft auf einem anderen wertvollen Grundstück sitzen. Der Käufer für das Karree an der Werderstraße, vis-à-vis der Kirche, ist wieder abgesprungen. Nun sucht der Bund für das Grundstück einen neuen Investor.

Sehr viel weiter sind die Pläne für die Falkoniergasse. Die KapHag, ermutigt durch den Verkauf der kleinen Parzellen für die Townhouses auf dem nahe gelegenen Friedrichswerder, sucht betuchte Käufer, die die acht Wohnungen in den zwei Stadtpalais bezahlen können. Noch mehr Geld benötigt, wer sich eines der drei geplanten Stadthäuser leisten möchte, die die KapHag gleich mitentwickelt. Über Preise spricht Projektleiterin Asako Hirotani-Brendel nicht, freut sich aber auf das Projekt: „Eine Top- Adresse“, schwärmt sie. Dass auch die Falkoniergasse nicht leicht an den Käufer zu bringen ist, weiß auch die KapHag. Sie ist bereits der zweite Investor, der sich an dem Projekt versucht. Die Pläne des Büros Graetz, Kahlfeldt, Nöfer und Tyrra sehen eine doppelstöckige Rundbogenreihe aus Marmor vor, die eine knapp fünf Meter breite Gasse verziert. Die kleine Fußgängerzone mit Boutiquen, Galerien und kleinen Läden verläuft parallel zur Kirche quer über das Grundstück. Die Häuser und Wohnungen (220 bis 390 Quadratmeter Wohnfläche) erhalten Dachterrassen. Ein historisches Ambiente haben sie schon – Schinkels Kirche als Nachbar. Wenn alles glatt geht, möchte die KapHag schon im kommenden Jahr anfangen zu bauen. Dann müsste sich der Weihnachtsmarkt am Opernpalais eine neue Bleibe suchen.

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