Berlin : Neubeginn im Schöneberger Jugendfreizeitheim Vorarlberger Damm

Tobias Arbinger

Eberhard Schwartz Klientel gilt nicht gerade als besonders umgänglich. Kids aus dem Kiez rund um den Grazer Platz, einer Gegend mit großen sozialen Problemen, mit hohen Anteilen an alleinerziehenden Müttern und Ausländern. Viele Kinder "können nicht stillsitzen", sagt Sozialarbeiter Schwartz. Verlören sie beispielsweise im Spiel, würden sie gleich aggressiv.

Friedlich stimmt die Pubertierenden hingegen das "Mal-Atelier", das ein Kunstpädagoge seit kurzem im neuen Jugendfreizeitzentrum Vorarlberger Damm 13 - 19 veranstaltet. Der Flur der Einrichtung, die gestern offiziell dem "Freien Träger" Nachbarschaftsheim Schöneberg übergeben wurde, ist voll behangen mit Bildern in Wachsmaltechnik. Ein 14-Jähriger Türke komme jeden Tag, um stolz sein gerahmtes Bild eines Segelschiffes zu betrachten, erzählt Schwartz. Das sei die Art von Erfolgserlebnissen, die die jungen Menschen im Leben voranbringe.

Als "La Jeunesse" und "Lasch" gab es den Jugendclub schon seit Jahrzehnten. Zum Schluss scheint er nicht mehr so gut gelaufen zu sein. "Personell völlig ausgedünnt" habe die bislang bezirkseigene Einrichtung den Ansprüchen nicht mehr entsprochen, sagt Sozialstadträtin Ulrike Herpich-Behrens (Grüne). Deshalb verfolge man nun ein neues Konzept: Das Bezirksamt unterhält weiter das Haus. Das Nachbarschaftsheim, Betreiber der benachbarten Kifrie-Jugendetage, stellt das Personal.

Seit November haben die Haustechniker des Nachbarschaftsheims den Flachbau im 50er-Jahre-Stil auf Vordermann gebracht. Helle Wände, viele Lampen und Topf-Palmen strahlen eine freundliche Atmoshäre aus. In einem von drei Räumen wird nun jeden Tag eine Schularbeitsgruppe angeboten, ein Saal mit Kicker und Tischtennisplatte kann für Tanzkurse umfunktioniert werden. Im Foyer gibt einen Getränkestand und einen Empfangsstresen, an dem ausschließlich Kinder Dienst verrichten.

Sie würden auch selbst Fegen und bei Gartenarbeiten helfen. Wenn sie ihr Jugenfreizeitheim selbst instand hielten, vergehe ihnen die Lust, etwas kaputt zu machen, glaubt Schwartz. Für ältere Jugendliche aus Zuwandererfamilien hat das Nachbarschaftsheim Sport-Gruppen eingerichtet, deren prominente Trainern auf Honorarbasis für den Jugendclub arbeiten. Isam Hamdan, der früher einmal für die libanesische Fussball-Nationalmannschaft kickte, und der türkische Olympia-Leichtathlet Cenk Bora sind für sie auch Vorbilder.

Neu am Vorarlberger Damm ist zudem, dass eine halbe der drei Betreuerstellen für ein Jahr von der Wohnungsbaugesellschaft GSW gesponsert wird. Die GSW hofft, die Lebensqualität im Kiez zu verbessern zu können. Reparaturen an der Bausubstanz ihrer reichten allein nicht aus, sagt Mitarbeiterin Ljiljana Martinac. Die Bemühungen hätten auch einen geschäftlichen Hintergrund: Die GSW wolle 600 ihrer Wohnungen rund um den Grazer Damm privatisieren. Werde das Milieu aufgewertet, ließen sie sich besser verkaufen.

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