Berlin : Neue CDU-Führungsspitze: Ein tolles Team oder nur ein Klub der Konkurrenten?

Ulrich Zawatka-Gerlach

"Erfolgreiche Stammkunden durch qualifizierte und zufriedene Mitarbeiter". Das offizielle Werbesprüchlein des Vertriebsunternehmens für Textilien und elastische Bodenbeläge, dessen Geschäftsführer Frank Steffel ist, wird auch der Leitspruch für den künftigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Steffel sein. In seiner Firma, so wird von Parteifreunden übereinstimmend kolportiert, herrsche ein gutes Betriebsklima. Im Vorstand der CDU-Abgeordnetenhausfraktion muss der neue Chef, gerade einmal 35 Jahre alt, erst dafür sorgen.

Denn während der Klausurtagung im Kloster Banz hing der Haussegen zeitweise schief. Jeder kungelte mit jedem, doch als Klaus Landowsky am Sonntagmittag bereits seinen Rücktritt angekündigt hatte, war der CDU-Haushaltsexperte Alexander Kaczmarek immer noch unentschieden, ob er gegen Steffel kandidieren sollte. Die Stimmung zwischen den beiden verschlechterte sich von Stunde zu Stunde. Der CDU-Landesvorsitzende Eberhard Diepgen war kurz davor, seine Vermittlungsbemühungen einzustellen, als sich in letzter Minute - die CDU-Abgeordneten packten schon für die Rückreise die Koffer - der Personalkonflikt in Wohlgefallen auflöste.

Steffel kandidiert am 15. Mai allein für den Fraktionsvorsitz. Kaczmarek bleibt Parlamentarischer Fraktionsgeschäftsführer und darf sich demnächst mit dem Zusatztitel "Erster Stellvertretender Fraktionsvorsitzender" schmücken. Ein ähnliches Modell gab es schon einmal. Im März 1989 übernahm der CDU-Landesvorsitzende und Wahlverlierer Diepgen die Führung der Fraktion, überließ aber einem engen Vertrauten, Dankward Buwitt, als "Geschäftsführendem Fraktionsvorsitzenden" die politische Alltagsarbeit. Die Abgeordneten der Union reagierten am Sonntag sehr erleichtert, geradezu fröhlich darauf, dass Steffel und Kaczmarek zusammengefunden haben.

Aber es wird keine Doppelspitze im klassischen Sinn. Der designierte Vorsitzende will ein echter Vorsitzender sein: Sich um die großen Linien kümmern, die wichtigen Reden halten, das eigene Personal und den Koalitionspartner pflegen. Die Stellvertreter und Geschäftsführer sollen die Fachthemen beackern und den parlamentarischen Alltag bewältigen. Steffel will ein schlagkräftiges Team mit einer geordneten Arbeitsteilung. Das hat er schon vor der Klausurtagung deutlich gemacht. Denn er bleibt Privatunternehmer und das absorbiert Zeit und Kraft. Der designierte Fraktionschef sollte sich aber in Zukunft bemühen, wenigstens pünktlich zu den Fraktionsvorstands- und Parlamentssitzungen kommen und sich besser als bisher vorzubereiten, wird fraktionsintern gefrotzelt.

Teamarbeit setzt auch voraus, dass die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt. Kaczmarek, 38 Jahre alt, ist in der CDU-Fraktion beliebt, weil er bienenfleißig, zuverlässig, fachkundig, humorvoll und von einer sympathischen Nachdenklichkeit ist.

In der Außenwirkung allerdings schwergängig. Ein Kaltblüter, während Steffel ein kampflustiger Heißsporn ist. Den Respekt der Fraktion muss er sich noch erarbeiten. Schon deshalb legte er großen Wert darauf, bis 2004 gewählt zu werden, während sich der übrige Fraktionsvorstand der CDU im nächsten Jahr neu zur Wahl stellen muss. Ein Fraktionschef "auf Abruf" zu sein, könnte schiefgehen.

Ob er sich im neuen Amt auf den Parteifreund Kaczmarek stützen kann, ob der ihm den Rücken frei hält? Oder entwickelt sich der zum Konkurrenten, zum Widersacher? Darüber sind die Meinungen in der CDU noch geteilt. Man hat schließlich keine Erfahrung mit jungen, neuen Fraktionsvorsitzenden. In den vergangenen vierzig Jahren ist die Berliner CDU mit fünf Exemplaren ausgekommen: Franz Amrehn, Heinrich Lummer, Eberhard Diepgen, Dankward Buwitt und Klaus Landowsky.

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