Berlin : Neue DJs braucht das Land

Früh übt sich, was ein Westbam werden will: Mittwochs dürfen im Klub Polar TV die Neulinge ran

Henning Kraudzun

Etwas zaghaft wirkt „Daniel FX“ schon, als er auf die DJ-Kanzel steigt. Ganz auf sich allein gestellt steht er im Klub Polar TV, eine der ersten Adressen für Techno und House der Stadt. Wöchentlich stehen hier bei den „Pole.Piloten“ drei Newcomer an den Plattentellern, die sich erstmals vor dem erwartungsvollen Publikum bewähren müssen. Für Daniel FX wird’s hart. Der Club ist nur spärlich gefüllt, das Publikum gelangweilt. Dabei versucht Daniel FX alles. Professionell lässt er die Titel ineinander übergehen, Schnitzer beim Mixen sind selten. Souverän dreht er an den Knöpfen des Mischpults. Allein – der Funke will nicht überspringen.

Daniel FX, der eigentlich Daniel Schulze heißt, ist einer von drei Newcomern, die jeden Mittwoch im Polar TV ihre Chance erhalten. Bislang hat Schulze fast nur auf Privatpartys aufgelegt, zudem in einigen Antwerpener Clubs, wo er elf Jahre lang lebte. „Aus einer Laune heraus hab ich meine Mix- CD an den Club geschickt und bekam Monate später den Anruf“, erzählt Schulze. Über die Einladung hat er sich zwar riesig gefreut, dennoch muss er keinem etwas beweisen. „Um regelmäßig in Clubs aufzulegen, braucht man einen spitzen Ellenbogen“, sagt Schulze. Da will er erst gar nicht mitmischen.

Ähnlich denkt Patrick Schunke, der als DJ Heiza durchs im Berliner Nachtleben geistert. Mit eigenen Partyreihen im Pfefferberg oder im Keller des Köpi, des besetzten Hauses in der Köpenicker Straße in Mitte, versucht er sein eigenes Publikum „heranzuziehen“. Deshalb mag er sich gar nicht mehr als Newcomer bezeichnen. Um jedoch auch mal in einer namhaften Technohalle zu spielen, hat er seine Bewerbung abgegeben. Von Konkurrenz untereinander ist am Abend des Wettbewerbs nichts zu spüren. „Wir wollten weg vom Contest-Charakter, wenn eine Jury die Leute bewertet“, sagt Veranstalter Gunnar Stiller. Doch damit rechnen offenbar die meisten potenziellen Vinyl-Talente. Denn die Bewerbungen sind eher spärlich. Vielleicht liegt’s daran, dass die meisten eher ans Versagen als an den möglichen Erfolg denken, vermutet Stiller. Doch die Club- Betreiber wollen ihr Konzept auch dann beibehalten, wenn die Tanzfläche leer bleibt. Dabei seien doch gerade die Auftritte von absoluten Newcomern interessant. „Sie haben viel Einfühlungsvermögen für den Clubsound und machen sich Gedanken, wie sie neue Ideen verarbeiten können.“ Doch im Club-Geschäft interessiert das kaum jemand, da nur bekannte Namen das Publikum in Scharen anlocken. Um diese Erfahrung sind auch Daniel FX und DJ Heiza reicher.

„Pole.Piloten“, mittwochs 22 Uhr im Polar TV, Heidestr. 73, Tiergarten, am14. Mai mit Regionalausscheid für Girl’s DJ Contest „Paris-Berlin“. DJanes können sich bewerben: Deutsch-Französisches Jugendwerk, Am Molkenmarkt 1-3, 10179 Berlin, Tel. 288 757-0.

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