Berlin : Neue Heimat für Zahlenhuber

Datenforschungsstelle in Mitte eröffnet

Moritz Gathmann

Seit gestern müssen Berliner Soziologen, Ökonomen und wer sonst noch mit den Zahlen der amtlichen Datenstatistik hantiert nicht mehr unbedingt nach Friedrichsfelde fahren: Im Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in der Mohrenstraße gibt es jetzt eine Außenstelle des Forschungsdatenzentrums. Ob Daten über Umwelt, Steuern oder Landwirtschaft – 60 Statistiken stellen die Landesämter hier zur Verfügung. Einmalig für Deutschland: Forscher und Wissenschaftler sitzen unter einem Dach zusammen.

Deshalb spricht Axel Werwatz, Professor für Ökonometrie an der TU Berlin, von einem „großen Schritt“. Er hat bei seinen Forschungen an der Universität im dänischen Aarhus gesehen, welchen Nutzen der Austausch zwischen amtlicher Statistik und Forschern bringen kann: Dort sind die staatlichen Datensammler auf dem Campus vertreten und bieten den Studenten und Wissenschaftlern Zugang zu ihren Datensätzen. „Die Dänen mit ihren fünf Millionen Einwohnern konnten so innovative Studien über den Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und psychischen Erkrankungen machen, die überall in der Welt genutzt werden!“ So etwas könnte, anders als in den USA, wo kaum Daten gesammelt werden, auch in Deutschland möglich sein.

Ob es nun eine Doktorarbeit über die Produktdiversifizierung der deutschen Wirtschaft oder eine Studie über die Mobilität ostdeutscher Arbeitnehmer ist: Die Forscher brauchen möglichst gehaltvolle Datensätze. Eine Statistik über deutsche Unternehmen zum Beispiel ist für Forscher wertlos, wenn sie keine Informationen über den Wirtschaftszweig der Unternehmen enthält. Andererseits müssen die Statistiker aus Bund und Ländern sicherstellen, dass aus den Daten keine einzelne Firma entschlüsselt wird. Deren Daten könnten sonst etwa in die Hände von Konkurrenten gelangen. Deshalb ist auch eine Datenverarbeitung am eigenen Arbeitsplatz bisher nicht denkbar. Eine Lösung bietet die „On-Site-Nutzung“ an den Arbeitsplätzen in Mitte; hier arbeiten die Forscher unter Aufsicht der Statistiker mit den Datensätzen.

Seit 2002 sind im Zuge eines vom Forschungsministerium geförderten Projekts in allen deutschen Bundesländern Forschungsdatenzentren entstanden. Die Finanzierung nach 2009 ist aber noch unklar.Moritz Gathmann

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