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Neue Masche der Berliner Ganoven : Einbruchserie vor Kitas

27.01.2013 09:17 Uhrvon
Scheibenkleister. Das Autofenster einzuschlagen dauert nur Sekunden. Foto: PolizeiBild vergrößern
Scheibenkleister. Das Autofenster einzuschlagen dauert nur Sekunden. - Foto: Polizei

Auto kurz abstellen, Kind in der Kita abgeben – und schon ist das auf dem Beifahrersitz liegen gelassene Handy weg. Die Polizei warnt alle eiligen Eltern.

Es macht nur leise klirr, und nach wenigen Sekunden ist der Täter schon weg. Das Landeskriminalamt (LKA) warnt vor einer neuen Diebstahl-Taktik: In der jüngeren Vergangenheit hätten sich Einbrüche in parkende Autos vor Kindertagesstätten gehäuft. Die Täter brechen das Auto schnell auf und entwenden wertvolle Gegenstände, die häufig achtlos auf dem Beifahrersitz liegengelassen werden, während die Eltern ihre Kinder abliefern. Die Polizei schickte zu Beginn des Monats Warnungen an die Kindergärten. Nach Angabe des LKA wurde die Mail über die Adressenlisten der Senatsbildungsverwaltung an 900 Kitas geschickt mit der Bitte, das Plakat aufzuhängen.

Laut Jens-Oliver Heuer vom LKA sei diese Art der Einbrüche bereits in den letzten Monaten des alten Jahres gehäuft vorgekommen, besonders viele gab es im Südwesten und Osten der Stadt. „Die Täter haben sich auf dieses Vorgehen spezialisiert", sagt Heuer. Die Masche habe eine hohe Erfolgsquote. Viele Mütter und auch Väter ließen Jacken offen im Auto liegen, wenn sie ihr Kind abgeben oder abholen. Da in der Regel alle Sinne auf das Kind gerichtet seien, werde manchmal selbst das Abschließen des Wagens vergessen. Vor allem Frauen ließen gerne ihre Handtasche im Auto zurück mit der – aus kriminalistischer Sicht grundfalschen – Begründung, es dauere ja nur fünf Minuten. Tatsächlich dauert es jedoch nur Sekunden, die Seitenscheibe sei für den Dieb das Schaufenster. Eine Jacke auf dem Sitz, so schildert es der Beamte, zeige dem Kriminellen zweierlei: In der Jacke sei sicher etwas Wertvolles und darunter womöglich etwas versteckt. Exakte Zahlen derartiger Autoaufbrüche kann die Polizei nicht nennen, da das Tatumfeld nicht in der Kriminalstatistik erfasst wird.

Vielfach seien hochwertige Mobiltelefone oder Notebooks und Geldbörsen abhanden gekommen. Die Täter würden nach einem Aufbruch zur nächsten Kita wechseln und dort weitermachen. Auch im Umland habe es in diesem Winter zahlreiche Taten dieser Art gegeben. Beispielhaft sei ein Fall aus Wandlitz: In Sekunden wurden alle Wertgegenstände aus einem Auto geholt und Minuten später mit der erbeuteten EC-Karte 500 Euro von einem Konto abgehoben. „Es hilft nichts, die Wertgegenstände verstecken zu wollen“, warnt die Brandenburger Polizei.

Nachdem es in Berlin zwischen 2008 und 2010 bei Diebstählen aus Fahrzeugen Rückgänge gegeben hatte, stieg die Zahl 2011 wieder an. Die Zahlen für 2012 liegen noch nicht vor. Die Aufklärungsquote ist wie bei Fahrraddiebstählen extrem schlecht, 2011 waren es genau 4,6 Prozent. In Berlin sind 2011 gut 22 000 Diebstähle aus Autos angezeigt worden. 20 465 waren schwere Fälle, bei denen folglich eine Scheibe eingeschlagen wurde. In den meisten anderen Fällen hatte der Dieb es sehr bequem: Der Wagen war unverschlossen. Ähnliche Häufungen gebe es nur in Parkhäusern ohne Videoüberwachung. „Die Täter kennen diese ganz genau“, sagt Heuer. Vor Jahren habe es in einem Sommer eine ähnliche Häufung in Ausflugsgegenden gegeben. Auch damals hatte die Polizei an Seen und Wäldern Hinweise verteilt.
Kitas können das Plakat bei der Polizei unter 4664 979115 anfordern.

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