Berlin : Neuer Impfstreit: Grippe-Schutz gegen Vorkasse

Auch Diabetiker müssen für Blutzucker-Teststreifen zahlen

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In Berlin ist wieder einmal ein Impfstreit ausgebrochen. Diesmal sind nicht – wie im vergangenen Herbst – die Versicherten der Ersatzkassen (wie Barmer, Techniker und Angestelltenkrankenkasse) betroffen, sondern diejenigen der Primärkassen wie AOK Berlin, Betriebskrankenkasse und Innungskrankenkasse. Denn diese Versicherungen streiten mit den Apothekern über die Preise für Impfstoffe und Blutzuckerteststreifen der Diabetiker. Am Freitagabend sind die entsprechenden Verhandlungen geplatzt. Die Krankenkassen verlangten von den Apothekern, diese Produkte teilweise unter Einkaufspreis abzugeben, sagt der Berliner Apotheker-Verbandschef Rainer Bienfait. Auch von der AOK Berlin ist zu hören, dass das Verhandlungsangebot „sehr knapp“ kalkuliert sei. Es gebe aber Anbieter, die zu diesem Preis verkauften.

Für die Patienten bedeutet dieser Streit mehr bürokratische Umstände und Wartezeiten. Viele Ärzte haben ihren Vorrat an Impfstoff schon im vergangenen Herbst verbraucht. Wer jetzt der Empfehlung des Robert-Koch-Institutes folgt, sich vor der in ein bis zwei Wochen erwarteten Grippewelle schnell noch immunisieren zu lassen, muss sich unter Umständen selbst um den Impfstoff kümmern. Ist der Versicherte bei einer der Primärkassen versichert, kann das lange dauern. Denn der Apotheker werde zunächst von der Krankenkasse eine schriftliche Kostenübernahme anfordern, sagt Bienfait. Und so was könne bis zu einer Woche dauern, dann ist es für die Impfung jedoch zu spät. Alternativ müssten die Patienten die Kosten für den Impfstoff zunächst selbst bezahlen und dann darauf hoffen, dass ihre Krankenkasse – gegen Quittung – den Betrag erstattet. Die AOK hat dies bereits zugesagt.

Ähnlich geht es denjenigen Diabetikern in der Stadt, die ihren Blutzuckergehalt mit speziellen Teststreifen messen. Solange sich Apotheker und Kassen nicht einigen, müssen auch sie entweder in Vorkasse gehen oder aber die Teststreifen dort ordern, wo der von der AOK angebotene niedrige Preis kassiert wird. Die Adressen könne man in den Geschäftsstellen der AOK erfragen, hieß es dort. I.B.

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